Die Spielebranche steht seit einiger Zeit unter wirtschaftlichem Druck. Steigende Entwicklungskosten, unsichere Verkaufsergebnisse und der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der Spieler machen vor allem mittelgroßen Publishern zu schaffen. Nun trifft es auch Nacon: Das französische Unternehmen reduziert sein Studioportfolio und baut Personal ab. Betroffen sind bekannte Entwicklerteams, die unter anderem für Rollenspiele und Rennspiele verantwortlich sind.

Aus dem am 26. Oktober 2026 veröffentlichten Geschäftsbericht geht hervor, dass Nacon innerhalb von sechs Monaten 311 Beschäftigte weniger zählt. Die Belegschaft sinkt von 1.125 Mitarbeitern Ende März auf 814 Ende September. Parallel dazu gehen die Umsätze im Spielebereich zurück. Das Unternehmen befindet sich weiterhin in einem gerichtlichen Sanierungsverfahren und arbeitet an einem Plan zur finanziellen Neuaufstellung. Zum aktuellen Geschäftsbericht

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Spiders, Midgar Studio und Nacon Tech werden abgewickelt

Besonders schwer wiegt das Aus für Spiders, Midgar Studio und Nacon Tech. Für Spiders und Nacon Tech ordnet das zuständige Handelsgericht am 29. April 2026 die gerichtliche Liquidation an. Midgar Studio folgt am 15. Juli. Damit verliert Nacon drei Einheiten aus seinem bisherigen Unternehmensverbund. Spiders ist unter anderem für GreedFall und Steelrising bekannt. Midgar Studio entwickelt das Rollenspiel Edge of Eternity und arbeitet an weiteren Projekten der Reihe. Die Schließungen treffen damit Teams, die über Jahre eigene Spielwelten und Marken aufgebaut haben.

Bei Cyanide und Kylotonn ist dagegen keine Schließung vorgesehen. Beide Studios sollen im Rahmen des Sanierungsplans neu aufgestellt werden, müssen sich allerdings ebenfalls auf Personalabbau einstellen. Cyanide ist unter anderem mit der Styx-Reihe, Blood Bowl und Pro Cycling Manager verbunden. Kylotonn hat sich vor allem mit Rennspielen wie WRC und Test Drive Unlimited: Solar Crown einen Namen gemacht. Welche konkreten Veränderungen die einzelnen Teams künftig durchlaufen, geht aus der aktuellen Mitteilung nicht im Detail hervor.

Robocop: Eigentlich ein Erfolg und doch hat es nicht ausgereicht um Nacon vor der Krise zu bewahren

Die Personalzahlen verdeutlichen die Größe des Umbaus. Ende März beschäftigt Nacon noch 1.125 Menschen, sechs Monate später sind es 814. Das entspricht einem Rückgang um rund 27,6 Prozent. Am Hauptsitz fällt die Belegschaft laut Unternehmen um 28 Prozent. Die veröffentlichten Zahlen beschreiben die Veränderung des Personalbestands; eine vollständige Aufschlüsselung nach Kündigungen und anderen Abgängen legt Nacon in der Mitteilung nicht vor.

Schwächere Spieleumsätze erhöhen den Druck auf Nacon

Auch die Geschäftszahlen erklären, weshalb der Publisher seine Kosten senkt. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 erzielt Nacon einen Umsatz von 40,7 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum sind es noch 46,8 Millionen Euro. Der Rückgang beträgt damit 13 Prozent. Besonders deutlich fällt die Entwicklung im Spielegeschäft aus: Die Umsätze mit Spielen gehen um 24,4 Prozent auf 27,8 Millionen Euro zurück.

Bei neu veröffentlichten Spielen sinken die Erlöse sogar um 40 Prozent auf 13,7 Millionen Euro. Allerdings verweist Nacon selbst auf einen hohen Vergleichswert aus dem Vorjahr, in dem mehrere größere Veröffentlichungen für zusätzliche Einnahmen sorgen. Zu ihnen gehören Hell Is Us, Rugby League und RoboCop: Rogue City – Unfinished Business. Das Unternehmen erklärt außerdem, dass sich einzelne aktuelle Titel wie The Mound und Tour de France 26 gut entwickeln. Der starke Vorjahreszeitraum erschwert deshalb den direkten Vergleich.

Besser läuft es bei der Hardware. Mit Zubehör wie Controllern und Headsets erzielt Nacon im zweiten Quartal 11,6 Millionen Euro Umsatz – ein Plus von 28,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung federt den Rückgang im Spielebereich teilweise ab, kann ihn aber nicht vollständig ausgleichen. Zugleich bleibt die finanzielle Zukunft des Unternehmens offen: Das gerichtliche Sanierungsverfahren läuft nach einer Verlängerung bis zum 2. März 2027. Bis dahin arbeitet Nacon an einem tragfähigen Plan zur Restrukturierung seiner Verbindlichkeiten. Die nächsten Halbjahreszahlen sind für den 30. November 2026 angekündigt.

FAQ zur Nacon-Krise

1. Welche Studios beziehungsweise Unternehmensteile schließt Nacon?
Spiders, Midgar Studio und Nacon Tech werden im Jahr 2026 abgewickelt. Für Spiders und Nacon Tech ergeht der Liquidationsbeschluss am 29. April, für Midgar Studio am 15. Juli.

2. Wie viele Beschäftigte verliert Nacon?
Die Zahl der Beschäftigten sinkt zwischen dem 31. März und dem 30. September 2026 von 1.125 auf 814. Das sind 311 Personen beziehungsweise rund 27,6 Prozent weniger.

3. Welche bekannten Spiele stammen von Spiders?
Das Studio entwickelt unter anderem GreedFall und Steelrising.

4. Wofür ist Midgar Studio bekannt?
Das Team entwickelt Edge of Eternity und weitere Rollenspielprojekte.

5. Werden Cyanide und Kylotonn ebenfalls geschlossen?
Im aktuellen Sanierungskonzept ist für beide Studios eine Restrukturierung vorgesehen, keine Schließung. Auch dort ist Personalabbau Teil der Maßnahmen.

6. Wie entwickeln sich die Umsätze von Nacon?
Der Gesamtumsatz im zweiten Quartal 2026/27 sinkt gegenüber dem Vorjahr von 46,8 auf 40,7 Millionen Euro. Besonders deutlich gehen die Erlöse aus neuen Spielen zurück.

7. Warum entwickelt sich das Zubehörgeschäft besser?
Nacon meldet höhere Einnahmen mit Controllern und Headsets. Die Umsätze in diesem Bereich steigen im zweiten Quartal um 28,7 Prozent auf 11,6 Millionen Euro.

8. Wie geht es für Nacon weiter?
Das Unternehmen arbeitet an einem gerichtlichen Sanierungsplan. Die Beobachtungsphase läuft bis zum 2. März 2027; neue Halbjahreszahlen sollen am 30. November 2026 veröffentlicht werden.

Bildquellen:

  • Quelle: via Nakon