Die Gamescom 2026 hat Köln wieder mal für mehrere Tage in das Epizentrum der Gaming-Welt verwandelt. Wer schon letztes Jahr dabei war, wusste ungefähr was ihn erwartet: voll, laut, warm, zu wenig Zeit und trotzdem irgendwie zu kurz. 2026 war das alles wieder genauso, nur etwas mehr davon als bisher.

Die Gamescom in Zahlen

Bevor es ans Eingemachte geht, kurz die Eckdaten für alle die es gerne wissen: 368.000 Besucher aus 131 Ländern, über 36.000 Fachbesucher und 1.743 Aussteller auf rund 233.000 Quadratmetern vollständig ausgebuchter Fläche. 72 Prozent der Aussteller kamen aus dem Ausland, was zeigt wie international die Messe inzwischen aufgestellt ist.

Das sind eindrucksvolle Zahlen, aber man muss sie nicht lesen um zu verstehen wie voll es war. Man hat es einfach gespürt.

Das neue Gamescom-Problem

Was dieses Jahr wirklich neu und wirklich spürbar war, war eine organisatorische Regelung die man in dieser Form noch nicht kannte. Viele Stände, vor allem die großen und gefragten, hatten offenbar die Auflage bekommen, keine Warteschlangen außerhalb der eigenen Standfläche zuzulassen. Klingt zunächst nach einer sinnvollen Idee, ist in der Praxis aber eine kleine Katastrophe wenn ein Stand so voll ist dass kein Platz mehr für auch nur eine Person extra bleibt.

Die Lösung der Aussteller: Besucher einfach wegschicken, mit dem freundlichen Hinweis es in zehn Minuten nochmal zu versuchen. Das Ergebnis war dass man manche Stände mehrfach anlief, jedes Mal weggeschickt wurde und sich zwischendurch fragte, ob man eigentlich auf einer Spielemesse oder in einer sehr teuren Wartezimmer-Simulation unterwegs ist. Anstehen in einer übersichtlichen Schlange hätte da gefühlt weniger Zeit gekostet. Aber gut, das ist Gamescom 2026.

Was alle wollten

Den stärksten Andrang zogen natürlich die bekannten Namen an. Nintendo, LEGO und Sony waren wie jedes Jahr mit aufwendig inszenierten Bereichen vertreten die man eher als Erlebniswelten beschreiben würde als klassische Messestände. Man steht nicht vor einem Produkt, man steht mittendrin. Das funktioniert nach wie vor sehr gut und erklärt warum diese Bereiche zum Pflichtprogramm gehören, selbst wenn man keinen der dort gezeigten Titel kennt.

Daneben waren auf der diesjährigen Gamescom aber auch jede Menge Titel aus dem asiatischen Raum ein riesiger Anziehungspunkt. HoYoverse hat sich inzwischen als fester Bestandteil der Messe etabliert und bringt verlässlich eine riesige Fangemeinde mit. Dazu gesellten sich Tides of Annihilation, Where Winds Meet, Ananta, Silver Palace, Sea of Remnants und Aniimo, allesamt Titel die zeigen wie stark asiatische Produktionen inzwischen auf einer europäischen Spielemesse aufgestellt sind. Das ist kein Trend mehr, das ist inzwischen einfach Realität.

Die Spiele des Jahres

Was die konkreten Titel anging, war die Gamescom 2026 durchaus interessant. Fable zog mit neuem Gameplay-Material ordentlich Aufmerksamkeit auf sich und der Reboot der Reihe wirkte endlich so als würde er das halten was er schon lange verspricht. The Witcher 3: Songs of the Past, eine neue Erweiterung für eines der beliebtesten Rollenspiele aller Zeiten, sorgte bei langjährigen Fans für echte Vorfreude. Und Lego Skylines, eine Kombination aus Lego und SimCity, war einer der Titel von denen man vorher nicht wusste dass man sie braucht, und danach nicht mehr versteht warum die Idee so lange gebraucht hat.

Das Heroes of Might and Magic 3 Remake war ebenfalls vor Ort spielbar, spaltet nach ersten Anspieleindrücken aber schon die Meinungen. Inhaltlich stimmt vieles, beim Look and Feel hakelt es noch, und bei einem Remake einer solchen Legende verzeiht die Community das nicht so einfach.

Und dann war da natürlich noch der Extended-Trailer zu GTA 6, der zwar nicht auf der Messe selbst gezeigt wurde, aber trotzdem das Gesprächsthema der Tage war. Rockstar braucht weder die Gamescom noch klassische Messeauftritte um zu dominieren, das ist inzwischen schlicht Tatsache.

Indie und Geheimtipps: Der unterschätzte Teil der Messe

Was bei all dem Hype um die großen Namen manchmal untergeht, ist dass die Gamescom auch 2026 wieder einen lebhaften Indie-Bereich hatte. Das ist nach wie vor einer der spannendsten Teile der Messe. Man kommt mit einem Titel im Kopf an und steht zwanzig Minuten später vor einem völlig unbekannten Spiel das deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte als der nächste Blockbuster. Das ist kein Zufall, das gehört zur Gamescom und macht sie jedes Jahr aufs Neue sehenswert.

Afterworld etwa war ein Titel der sichtlich Interesse weckte, eine Art Rimworld-Feeling in einem anderen Gewand. Aniimo zog Vergleiche zu Pokémon, Palworld und Zelda gleichzeitig, was erst nach skeptisch klingt und nach zehn Minuten plötzlich sehr verlockend wirkt. Genau solche Entdeckungen machen die Gamescom zu mehr als einer reinen Marketing-Veranstaltung.

Die Merch Area: Die gefährlichste Ecke der Messe

Wer glaubt die eigentliche Herausforderung auf der Gamescom sei die Hitze oder das Gedränge, hat die Merch Area noch nicht von innen gesehen. Auch 2026 war sie wieder ein Ort an dem gute Vorsätze in einem erstaunlich kurzen Zeitfenster vollständig kollabieren. Besonders die Trading Card Games waren ein echter Anziehungspunkt. Pokémon, Magic: The Gathering und Co. sorgten dafür dass der Weg von „Ich schaue nur kurz“ zu „Okay, noch ein Display“ erschreckend kurz war.

Dazu kamen Figuren, Kleidung, Plüschtiere und alles was das Sammlerherz sonst noch so anspricht. Man kommt mit einem Rucksack. Man geht mit zwei Tüten. Das ist Gamescom-Gesetz, und 2026 war da keine Ausnahme.

Cosplay: Immer noch der beste Teil zwischen den Hallen

Was zur Gamescom genauso gehört wie die Spiele selbst sind die Cosplayer, und auch 2026 liefen wieder beeindruckend aufwendige Kostüme durch die Hallen. Von Videospielcharakteren über Anime-Figuren bis hin zu selbst gebauten Rüstungen die vermutlich genauso viele Stunden Arbeit verschlungen haben wie so mancher Messestand. Man weiß nie was einen hinter der nächsten Ecke erwartet, und genau das macht es aus.

Es sind oft gerade diese zufälligen Begegnungen zwischen zwei Hallen die am längsten im Gedächtnis bleiben, lange nach dem der letzte Trailer verblasst ist.

Größer ist nicht immer einfacher

Die Gamescom 2026 war in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. Die Zahlen sprechen für sich, das Angebot war breit, die Energie wie immer einmalig. Gleichzeitig wird aber immer deutlicher dass dieses Wachstum seine eigenen Probleme mitbringt. Wenn Besucher mehrfach weggeschickt werden bevor sie überhaupt in die Nähe eines Standes kommen, hat die Balance zwischen Angebot und Kapazität ein Problem das sich auf Dauer nicht ignorieren lässt.

Trotzdem, und das ist das Entscheidende, bleibt die Gamescom ein Erlebnis das man so nirgendwo sonst bekommt. Zwischen neuen Spielen, riesigen Messeständen, spontanen Cosplay-Begegnungen und viel zu viel Merch entsteht jedes Jahr eine Atmosphäre die sich einfach nicht ersetzen lässt. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder, diesmal mit noch mehr Kondition.

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