
Als Sony im Jahr 2022 den „Destiny“-Entwickler Bungie für 3,6 Milliarden US-Dollar übernahm, galt der Deal als zentrale Säule der neuen Live-Service-Strategie von PlayStation. Bungie sollte Sony dabei helfen, dauerhaft erfolgreiche Online-Spiele aufzubauen und neue Einnahmequellen jenseits klassischer Singleplayer-Blockbuster zu erschließen.
Knapp vier Jahre später wirkt die Situation deutlich komplizierter. In den aktuellen Geschäftszahlen meldet Sony nun eine weitere massive Abschreibung im Zusammenhang mit Bungie. Gleichzeitig geraten sowohl der neue Shooter „Marathon“ als auch das langjährige Erfolgsprojekt „Destiny 2“ zunehmend unter Druck.
„Marathon“ bleibt hinter den Erwartungen zurück
Wie aus Sonys Finanzbericht hervorgeht, schreibt der Konzern im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 weitere 88,6 Milliarden Yen auf Bungie ab. Das entspricht umgerechnet rund 560 Millionen US-Dollar. Bereits einige Monate zuvor hatte Sony eine zusätzliche Wertminderung in Höhe von 31,5 Milliarden Yen verbucht.
Damit summieren sich die Abschreibungen im Zusammenhang mit Bungie inzwischen auf fast 765 Millionen US-Dollar innerhalb nur eines Geschäftsjahres. Sony nennt dabei ausdrücklich immaterielle Vermögenswerte und andere Unternehmenswerte als betroffene Bereiche.
Ein entscheidender Faktor dürfte die Entwicklung von „Marathon“ sein. Der Extraction-Shooter markiert Bungies erste komplett neue Marke seit mehr als zehn Jahren und sollte eigentlich beweisen, dass das Studio auch außerhalb von „Destiny“ ein großes Live-Service-Spiel etablieren kann.
Zwar fiel die erste Resonanz vieler Spieler durchaus positiv aus, langfristig scheint das Projekt bislang aber nicht die gewünschte Dynamik zu entwickeln. Auffällig bleibt vor allem, dass Sony bis heute keine offiziellen Verkaufs- oder Spielerzahlen veröffentlicht hat. Auf Steam bewegt sich „Marathon“ Berichten zufolge aktuell im Bereich von rund 10.000 bis 15.000 gleichzeitigen Spielern – solide Werte für kleinere Titel, aber eher enttäuschend für ein Prestigeprojekt dieser Größenordnung.
Auch „Destiny 2“ verliert an Zugkraft
Zusätzlich wächst der Druck, weil auch „Destiny 2“ inzwischen deutlich schwächere Zahlen verzeichnet als noch vor einigen Jahren. Das Online-Spiel galt lange als Musterbeispiel für ein erfolgreiches Live-Service-Modell mit stabiler Community und regelmäßigen Einnahmen. Inzwischen erreicht der Titel auf Steam jedoch historische Tiefstände bei den aktiven Spielern.
Für Sony ist das besonders problematisch, weil Bungie ursprünglich als strategischer Schlüsselpartner für die gesamte Live-Service-Offensive eingeplant war. Zwar erzielt der Geschäftsbereich Game & Network Services weiterhin Rekordgewinne, gleichzeitig tauchen die Bungie-Abschreibungen inzwischen regelmäßig als negativer Faktor in den Finanzberichten auf.
Auch intern bleibt die Lage angespannt. Seit der Übernahme kam es bereits zu mehreren Entlassungswellen bei Bungie. Zusätzlich wurde die Führung des Studios neu aufgestellt. Der frühere CEO Pete Parsons spielt inzwischen keine zentrale Rolle mehr.
In der Community wird deshalb bereits diskutiert, ob Bungie künftig stärker auf neue Modelle setzen könnte. Immer wieder fallen dabei Vorschläge wie kostenlose Testphasen oder sogar ein möglicher Wechsel von „Marathon“ zu einem Free-to-play-Ansatz. Offiziell angekündigt wurde bislang allerdings nichts.
FAQ zu Bungie, Marathon und Sony
Warum schreibt Sony erneut Geld auf Bungie ab?
Sony meldet Wertminderungen bei immateriellen Vermögenswerten und anderen Unternehmensbereichen rund um Bungie.
Wie hoch sind die aktuellen Abschreibungen?
Allein im vierten Quartal 2025 belaufen sich die Abschreibungen auf rund 560 Millionen US-Dollar.
Wie viel zahlte Sony ursprünglich für Bungie?
Die Übernahme kostete Sony im Jahr 2022 rund 3,6 Milliarden US-Dollar.
Was ist „Marathon“?
„Marathon“ ist ein Extraction-Shooter und Bungies erste neue Marke seit über zehn Jahren.
Wie erfolgreich ist „Marathon“ bisher?
Die Spielerzahlen gelten bislang als eher durchwachsen. Offizielle Verkaufszahlen wurden bisher nicht veröffentlicht.
Warum ist die Entwicklung von „Destiny 2“ wichtig?
„Destiny 2“ war lange Bungies wichtigstes Erfolgsmodell und ein Vorzeigebeispiel für Live-Service-Spiele.
Gab es bei Bungie bereits Entlassungen?
Ja. Seit der Übernahme durch Sony kam es mehrfach zu Stellenabbau und internen Umstrukturierungen.
Könnte „Marathon“ noch Free-to-play werden?
Offiziell gibt es dazu keine Angaben. In der Community wird darüber jedoch bereits spekuliert.






















