Große Shows wie die Game Awards sind traditionell ein Fest für alle, die neue Games kaum erwarten können. Gerade wenn eine Marke wie „The Witcher“ auf der Bühne erscheinen könnte, steigt die Spannung ins Unermessliche. Seit bekannt ist, dass der nächste Serienteil Ciri ins Zentrum stellt, wurde jeder neue Auftritt von CD Projekt Red aufmerksam verfolgt. Doch dieses Jahr bleibt die Bühne leer. Keine neue Cinematic, kein frischer Blick auf die Welt, kein Trailer.

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Die Entscheidung bestätigte CEO Michał Nowakowski in einem kurzen, klaren Statement. Man arbeite am Spiel, nicht an der Show – und deshalb bringe man „kein neues Material mit“. Ein Satz, der enttäuscht, aber gleichzeitig mehr aussagt als ein halbgare Enthüllung. Nach dem turbulenten Start von „Cyberpunk 2077“, dessen überambitionierte Trailer später zu einem PR-Bumerang wurden, scheint das Studio einen spürbaren Kurswechsel vorzunehmen.

Gerade weil bereits eine technisch beeindruckende Demo mit Ciri existiert, war der Wunsch nach mehr verständlich. Doch intern scheint man erkannt zu haben, dass frühe Versprechen gefährlicher sind als spätere Überraschungen. Wer zu früh zeigt, setzt Erwartungen. Wer zu viel zeigt, riskiert den Vergleich mit einem unfertigen Endprodukt. CDPR will nicht noch einmal in diese Falle tappen – und nutzt die seltene Chance, Geduld als Stärke zu verkaufen.

Warum Schweigen plötzlich das lautere Signal ist

Ein paar Fakten bestätigen zumindest die Richtung: Ciri wird als spielbare Hauptfigur bestätigt, die Welt entsteht komplett neu auf Basis der Unreal Engine 5 und soll größer wirken als das Gelände, das in „The Witcher 3“ erforscht werden konnte. Und Geralt? Er verschwindet nicht völlig, doch der Fokus gehört einer neuen Generation. Eine Wachablösung war lange überfällig – jetzt ist sie offiziell.

Was hingegen fehlt, sind konkrete Zeitpläne. Insider gehen von 2027 aus, doch selbst das gilt als unbestätigt. Großproduktionen dieser Größe sind ohnehin anfällig für Verschiebungen, und CD Projekt Red betont demonstrativ, dass man diesmal nicht nach dem Kalender entwickelt. Auch das passt zur neuen Strategie: Qualität vor Quote, Fundament vor Marketing.

Die eigentliche Botschaft lautet daher: Kein Trailer ist derzeit das beste Zeichen. Wenn „The Witcher 4“ ein echter Neuanfang werden soll, dann braucht das Studio eines vor allem – Ruhe. Und Ciri ist als Hauptfigur so charismatisch und beliebt, dass die Fans diese Ruhe wohl sogar akzeptieren. Die Welt des Hexers hat nie vom Tempo gelebt, sondern von Atmosphäre und Charakteren. Genau dort setzt CDPR jetzt wieder an.

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