Ein vertrauter Anblick sorgt für Ärger

Manchmal reicht ein einziger Trailer, um Erinnerungen an bekannte Spieleklassiker zu wecken. Üppige Dschungel, mechanische Tierwesen, futuristische Technikfragmente – und eine rothaarige Heldin im Mittelpunkt. Genau diese Mischung ließ bei vielen Beobachtern sofort Assoziationen zu Sonys erfolgreicher „Horizon“-Reihe aufkommen, als erstes Material zu „Light of Motiram“ veröffentlicht wurde.

Das Action-Adventure, entwickelt von Aurora Studio und veröffentlicht unter dem Dach von Tencent, präsentierte sich technisch eindrucksvoll. Doch je genauer Fans und Branchenkenner hinsahen, desto deutlicher wurden die Parallelen zu „Horizon: Zero Dawn“ und „Horizon Forbidden West“. Von der Ästhetik über das Kreaturendesign bis hin zur Bildsprache wirkte vieles weniger wie eine Hommage – und mehr wie eine sehr enge Anlehnung.

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Sony ließ diese Nähe nicht unbeantwortet. Bereits im Sommer reichte der PlayStation-Konzern Klage gegen Tencent ein. Damit war klar: Das Projekt stand unter juristischer Beobachtung, und seine Zukunft war ungewiss.

Außergerichtliche Einigung – und ein leiser Abgang

Wie PlayStationLifestyle unter Berufung auf The Verge berichtet, haben sich Sony Interactive Entertainment und Tencent inzwischen außergerichtlich geeinigt. Details zu den konkreten Vereinbarungen wurden nicht veröffentlicht, doch die Folgen sind sichtbar. Der Fall gilt als abgeschlossen – und „Light of Motiram“ scheint Geschichte zu sein.

Der offizielle Trailer wurde von den Plattformen entfernt, eine aktive Vermarktung findet nicht mehr statt. Zwar existiert die Webseite des Spiels weiterhin, doch Verweise auf Vertriebsplattformen wie Steam oder den Epic Games Store laufen ins Leere. Auch eine öffentliche Fortführung der Entwicklung ist nicht erkennbar. All das deutet darauf hin, dass das Projekt eingestellt wurde.

Interessant ist der Ton der abschließenden Stellungnahmen. Von einem offenen Konflikt ist keine Rede mehr. Stattdessen heißt es gemeinsam: „Sony Interactive Entertainment und Tencent freuen sich darauf, zukünftig zusammenzuarbeiten.“ Ein Satz, der eher auf Schadensbegrenzung als auf Eskalation schließen lässt.

Ein Lehrstück für kreative Grenzen im Open-World-Genre

Der Fall „Light of Motiram“ zeigt exemplarisch, wie schmal der Grat zwischen Inspiration und zu großer Nähe sein kann – gerade in einem Genre, das stark von ikonischen Designs lebt. Open-World-Action-Adventures teilen oft ähnliche Grundpfeiler, doch visuelle Identität und kreative Eigenständigkeit bleiben entscheidend.

Für Tencent und Aurora Studio endet das Projekt offenbar, bevor es richtig beginnen konnte. Für Sony ist es ein deutliches Signal, die eigene Marke zu schützen. Und für die Branche bleibt eine klare Botschaft: Technische Qualität allein reicht nicht, wenn die kreative Handschrift zu vertraut wirkt.

Ob „Light of Motiram“ jemals in einer anderen Form zurückkehrt, ist offen. Aktuell jedoch spricht alles dafür, dass dieses PS5-Open-World-Spiel tatsächlich „auf Nimmerwiedersehen“ verschwunden ist.

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