Mit der Erweiterung „Phantom Liberty“ hat CD Projekt RED „Cyberpunk 2077“ nicht nur inhaltlich erweitert, sondern auch erzählerisch neu akzentuiert. Besonders das Ende mit dem Titel „The Tower“ gilt bei vielen Spielern als ruhiger, nachdenklicher Abschluss einer ohnehin schweren Geschichte. Nun wird klar: Dieser Epilog war das Ergebnis einer bewussten Kehrtwende. Denn intern existierte lange Zeit eine deutlich andere Version des Finales.

Wie Narrative Director Igor Sarzynski erläutert, war der ursprüngliche Abschluss bereits weit fortgeschritten. Schauplätze, Quests und Szenen lagen vor. Trotzdem entschied sich das Team, das fast fertige Ende nicht zu veröffentlichen – eine Entscheidung, die viel über den kreativen Prozess bei großen Rollenspielen verrät.

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„Tonal passte es nicht mehr“ – warum ein fertiges Ende gestrichen wurde

In mehreren Beiträgen auf Bluesky erklärt Sarzynski, dass der erste Epilog von „Phantom Liberty“ „viel düsterer und seltsamer“ ausfiel als das heute bekannte Finale. Während sich die Hauptgeschichte der Erweiterung weiterentwickelte, geriet dieser ursprüngliche Abschluss jedoch zunehmend aus dem Gleichgewicht.

„Der neue PL-Epilog war einmal komplett anders. Viel düsterer und seltsamer. Als sich unsere Hauptstory von Phantom Liberty festigte, stellten wir fest, dass der Epilog tonal und thematisch nicht mehr wirklich passte“, so Sarzynski. Trotz des hohen Entwicklungsstands entschied sich das Team, den Inhalt vollständig zu verwerfen.

Der Schritt war laut Sarzynski schmerzhaft, aber notwendig. Ressourcen seien bereits investiert gewesen, doch am Ende habe die Qualität der Gesamtgeschichte Vorrang gehabt. „War das alles gestrichen? Ja. Hat das Spiel davon profitiert? Definitiv.“ Der heute bekannte Epilog entstand erst danach – gezielter, reduzierter und stärker auf die Kernthemen der Erweiterung fokussiert.

Cut Content als kreativer Prozess – nicht als Verlust

Sarzynski nutzt den verworfenen Epilog auch, um den Begriff „Cut Content“ einzuordnen. Gerade bei Open-World-Rollenspielen sei das Streichen von Inhalten kein Zeichen von Scheitern, sondern ein normaler Teil der Entwicklung. Spiele dieser Größenordnung ließen sich nicht vollständig im Voraus planen.

Viele erzählerische Stärken entstünden erst, wenn Systeme wie Story, Gameplay und Technik zusammenspielen. In diesem Prozess veränderten sich Prioritäten zwangsläufig. „Neue Dinge werden wichtig, alte verlieren ihren Wert“, beschreibt Sarzynski diesen Wandel. Entscheidend sei, rechtzeitig zu erkennen, was dem Spiel wirklich dient.

Gleichzeitig entstehen späte Ergänzungen. Als Beispiel nennt Sarzynski die Tanzszene mit Alex im Shorebird, die erst spät hinzugefügt wurde. „Uns fehlte ein persönlicher, unbeschwerter Moment inmitten all der angespannten Spionage-Intrigen.“ Genau dieses Wechselspiel aus Streichen und Hinzufügen sorge am Ende für Balance. Oder, wie Sarzynski es formuliert: „Das Ziel ist immer, das bestmögliche Ding zu erschaffen – und zwar pünktlich.“

FAQ zu „Cyberpunk 2077: Phantom Liberty“

Worum geht es bei der neuen Enthüllung zum Epilog?
CD Projekt RED bestätigt, dass der Epilog der Erweiterung ursprünglich deutlich anders geplant war.

Wie unterschied sich das ursprüngliche Ende?
Es fiel laut Entwickler wesentlich düsterer und experimenteller aus als das veröffentlichte Finale.

Warum wurde der Epilog gestrichen?
Er passte tonal und thematisch nicht mehr zur finalen Hauptgeschichte von „Phantom Liberty“.

War der gestrichene Epilog bereits fertig?
Große Teile waren weit fortgeschritten, inklusive Schauplätzen, Quests und Szenen.

Wer hat die Informationen veröffentlicht?
Igor Sarzynski, Narrative Director von „Phantom Liberty“, über Beiträge auf Bluesky.

Was sagt das über den Entwicklungsprozess aus?
Dass Inhalte oft aus Qualitätsgründen gestrichen werden, nicht aus Zeitmangel.

Gab es auch späte Ergänzungen?
Ja, unter anderem die Tanzszene mit Alex, die erst spät ins Spiel integriert wurde.

Hat das Streichen dem Spiel geschadet?
Laut CD Projekt RED nicht – im Gegenteil, das veröffentlichte Ende profitiert davon.

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