Gacha-Spiele gelten als Paradebeispiel für ein Geschäftsmodell, das von wenigen, extrem zahlungsbereiten Spielern getragen wird. Diese sogenannten „Wale“ sorgen oft für einen Großteil der Umsätze – während die große Mehrheit kostenlos spielt oder nur geringe Beträge investiert. Dass Entwickler selbst in diese Rolle schlüpfen, ist hingegen äußerst selten.

Genau das hat nun ein prominenter Name aus der japanischen Spielebranche öffentlich gemacht. In einer Fernsehsendung, die sich mit steilen Karrieren und finanziellen Abstürzen beschäftigt, spricht Yoshiki Okamoto offen über seinen eigenen Umgang mit Mikrotransaktionen. Seine Aussage sorgt für Aufmerksamkeit: Über Jahre hinweg investiert er selbst mehr als 80 Millionen Yen – umgerechnet rund 500.000 US-Dollar – in Gacha-Spiele, an denen er mitarbeitet.

Okamoto ist kein Unbekannter. Er zählt zu den prägenden Figuren der japanischen Spieleentwicklung und verantwortete unter anderem Klassiker wie Street Fighter II. Sein Weg zeigt jedoch auch die Risiken der Branche: Nach der Gründung seines eigenen Studios Game Republic bleibt der große Erfolg aus, 2011 sitzt er auf Schulden in zweistelliger Millionenhöhe.

Vom finanziellen Absturz zum Milliardenumsatz

Nach dem Scheitern seines Studios zieht Okamoto einen klaren Schlussstrich und richtet seinen Fokus konsequent auf den Mobile-Markt. Der Wechsel erweist sich als Wendepunkt. Bei Mixi arbeitet er an Monster Strike, einem Titel, der sich zu einem der umsatzstärksten Mobile-Games weltweit entwickelt und regelmäßig Spitzenplätze in Umsatzrankings erreicht.

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg kommt für Okamoto auch eine besondere Form der Selbstverpflichtung. Er investiert eigenes Geld in die Mechaniken, die er mitentwickelt. Nicht aus Marketinggründen, sondern aus Überzeugung. In Interviews betont er, dass er nur dann nachvollziehen könne, wie sich Frust, Hoffnung und Erwartungshaltung der Spieler anfühlen, wenn er denselben Einschränkungen unterliegt.

„Selbst wenn es Administratorrechte gäbe – würde ich sie nutzen, könnte ich die Gefühle der Spieler nicht wirklich verstehen“, erklärt Okamoto laut Sponichi Annex. Für ihn ist das reale Zahlen Teil der Entwicklungsarbeit. Gacha-Systeme funktionieren aus seiner Sicht nur durch künstliche Knappheit, Zufall und das Risiko des Scheiterns – Mechanismen, die psychologisch ähnliche Effekte auslösen wie Glücksspiel.

Heute verdient Okamoto laut Livedoor rund 1,2 Milliarden Yen pro Jahr. Seine Aussagen werfen dennoch ein nüchternes Licht auf die Branche: Erfolg im Gacha-Markt basiert nicht allein auf Design, sondern auf einem tiefen Verständnis menschlicher Motivation – und der Bereitschaft, diese Mechaniken selbst zu erleben.

FAQ

Was sind „Wale“ in Gacha-Spielen?
Als „Wale“ bezeichnet man Spieler, die besonders hohe Summen für Mikrotransaktionen ausgeben und einen Großteil der Umsätze tragen.

Wie viel Geld hat Yoshiki Okamoto selbst ausgegeben?
Laut eigener Aussage über 80 Millionen Yen, also rund 500.000 US-Dollar, für Gacha-Spiele, an denen er beteiligt ist.

Warum gibt ein Entwickler so viel eigenes Geld aus?
Okamoto möchte die Perspektive der zahlenden Spieler nachvollziehen und die Wirkung von Gacha-Mechaniken realistisch verstehen.

Welche Rolle spielt Monster Strike dabei?
Monster Strike ist eines der erfolgreichsten Mobile-Games weltweit und ein zentrales Projekt in Okamotos späterer Karriere.

Sind Gacha-Mechaniken mit Glücksspiel vergleichbar?
Psychologisch gibt es Parallelen: Zufall, Belohnung und Verknappung aktivieren ähnliche Mechanismen im Gehirn.

Verdient Okamoto heute noch an Gacha-Spielen?
Ja, laut Berichten erzielt er inzwischen ein Jahreseinkommen von rund 1,2 Milliarden Yen.

Ist diese Herangehensweise in der Branche üblich?
Nein, dass Entwickler selbst in diesem Umfang Geld ausgeben, ist eine seltene Ausnahme.

Was sagt das über den Mobile-Games-Markt aus?
Es zeigt, wie stark wirtschaftlicher Erfolg von Monetarisierungsdesign und psychologischem Verständnis abhängt.

play-rounded-fill