Seit Monaten deuten interne Spannungen darauf hin, dass wichtige Investoren mit der strategischen Ausrichtung von Square Enix unzufrieden sind. Nun liegt ein Dokument vor, das diese Kritik erstmals offen und detailliert ausformuliert. Die Investmentfirma 3D Investment, einer der größten Anteilseigner des Publishers, veröffentlichte eine 100-seitige Präsentation, die zahlreiche Managemententscheidungen des Unternehmens hinterfragt. Das Papier, das über Businesswire verbreitet wurde, zeigt aus Sicht des Investors zentrale strukturelle Defizite und soll andere Aktionäre auf mögliche Schwächen aufmerksam machen.

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Die Veröffentlichung erfolgt in einer Phase, in der sowohl die Entwicklung der Final-Fantasy-Marke als auch weitere interne Projekte im Fokus stehen. Besonders nach mehreren enttäuschenden Quartalszahlen wächst der Druck, die mittelfristige Planung des Unternehmens klarer zu definieren.


„Ein vager Plan“: Kritik an Strategie und Führung

„Der Plan präsentiert keine konkrete Zukunftsvision“ – Analyse eines brisanten Dokuments

Im Mittelpunkt der Präsentation stehen Vorwürfe zu einem aus Sicht der Investoren unzureichenden Unternehmenskurs. Laut den Unterlagen stagniert das Umsatzwachstum seit dem Führungswechsel vor drei Jahren, gleichzeitig sinken die Gewinnmargen. Hohe Abschreibungen für Projekte, die sich wirtschaftlich nicht amortisierten, verschärfen laut 3D Investment die Situation.

Kritisiert wird insbesondere der mittelfristige Geschäftsplan. Dort mangele es an klaren Leistungskennzahlen, konkreten Zielsetzungen und einer nachvollziehbaren Strategie. Stattdessen stütze sich das Papier laut Präsentation auf vage Schlagworte wie „Reboots“, ohne erkennbaren Umsetzungsrahmen. Das Dokument formuliert dazu deutlich:
„Der Plan präsentiert keine konkrete Zukunftsvision. Er ignoriert bestehende Managementprobleme und bleibt in vagen Formulierungen stecken.“

Auch der Austausch mit der Unternehmensführung habe laut Investor zu keiner Verbesserung geführt. Gespräche mit Präsident Takashi Kiryu blieben demnach oberflächlich; stattdessen sei lediglich eine kurze E-Mail eingetroffen, in der Kiryu die bisherige Ausrichtung verteidigte.

Warnsignal für die Branche: Warum die Kritik jetzt öffentlich wird

Der Schritt an die Öffentlichkeit zeigt, wie groß das Unbehagen auf Seiten des Investors inzwischen ist. 3D Investment ruft andere große Anteilseigner ausdrücklich dazu auf, Rückmeldungen zur langfristigen Ausrichtung, zur Kapitalpolitik und zur Führungsstruktur einzubringen. Der Vorstoß gilt als Versuch, den Druck auf das Management zu erhöhen und Veränderungen anzustoßen.


Strategische Wendepunkte: Zwischen KI-Plänen und aktivistischem Druck

Wenn Nostalgie auf Realitäten trifft: „Überrascht uns wieder“ als Appell

Obwohl die Präsentation stark auf wirtschaftliche und organisatorische Mängel fokussiert, beginnt sie mit einem emotionalen Rückblick auf frühere Erfolge des Unternehmens. Der erste Abschnitt formuliert einen klaren Wunsch der Fans und Investoren:
„Überrascht uns wieder, bewegt uns, entfacht die Leidenschaft, die wir einst fühlten. Spieler auf der ganzen Welt warten noch immer auf dieses unersetzliche Erlebnis.“

Im weiteren Verlauf verschiebt sich der Ton jedoch deutlich. Square Enix werde unter anderem für den kommerziellen Misserfolg einzelner Titel wie Forspoken kritisiert, inklusive Verweisen auf Metacritic-Reaktionen und schwache Nutzerbewertungen. Der Investor führt diese Beispiele an, um aus seiner Sicht systematische Entscheidungsprobleme sichtbar zu machen.

Ausblick: Wie Square Enix mit KI-Plänen und Fanerwartungen umgeht

Parallel zu diesen Diskussionen arbeitet Square Enix an umfassenden strukturellen Veränderungen. Dazu zählt ein Plan, bis 2027 einen Großteil der Qualitätssicherung mithilfe von KI-Prozessen zu automatisieren. Intern sorgt dieses Vorhaben laut Branchenberichten für Kontroversen, da Mitarbeitende den Umfang der Umstellung kritisch sehen.

Wie stark der Vorstoß von 3D Investment die zukünftige Strategie beeinflussen wird, hängt wesentlich davon ab, ob andere Großaktionäre die Forderungen unterstützen. Für Square Enix markiert das Papier jedoch bereits jetzt einen Moment, in dem interne Entscheidungen auf außergewöhnlich öffentliche Weise auf den Prüfstand gestellt werden.

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