
Kaum ein Spiel prägt die Erwartungen einer ganzen Branche so stark wie GTA 6. Schon lange vor der Veröffentlichung beeinflusst Rockstars nächstes Open-World-Projekt Release-Planungen anderer Publisher und sorgt für Nervosität im Markt. Während sich die Diskussion bislang vor allem um Setting, Story und Technik drehte, rückt nun ein anderer Aspekt stärker in den Fokus: die Zukunft von GTA 6 Online.
Den Anstoß dafür gab eine Einschätzung aus der Branche. Rich Vogel, langjähriger Entwickler mit Erfahrung bei Online-Großprojekten wie Ultima Online, Star Wars Galaxies und zuletzt New World, brachte öffentlich die Idee ins Spiel, dass viele der kolportierten Funktionen von GTA 6 eher an klassische MMORPG-Strukturen erinnern. Rockstar selbst äußert sich dazu nicht – doch die Entwicklungsgeschichte von GTA Online liefert reichlich Kontext.
„Kein simples Beiwerk mehr“ – Wie GTA Online zum Dauerprojekt wurde
Rockstar Games hat früh gezeigt, dass der Online-Part der Reihe weit mehr ist als ein optionaler Multiplayer-Modus. GTA Online entwickelte sich über Jahre zu einer persistenten Spielwelt mit regelmäßigen Content-Updates, zeitlich begrenzten Events und eigenen Handlungssträngen. Millionen Spieler kehren nicht für einzelne Matches zurück, sondern pflegen langfristige Spielfortschritte.
Im Unterschied zu klassischen Sitzungsmodi entstand so ein digitaler Alltag: Immobilien, Unternehmen, Jobs und soziale Strukturen prägen das Spielerlebnis. Diese Form von Dauerbindung ist ein Kernelement klassischer Online-Rollenspiele – auch wenn Rockstar den Begriff MMO nie verwendet hat.
Genau hier setzt die aktuelle Diskussion an. Wenn GTA 6 Online diesen Ansatz konsequent weiterdenkt, könnte daraus eine der größten persistenten Spielwelten der Branche entstehen, ohne sich formal von den eigenen Wurzeln zu lösen.
„Ein Fingerzeig aus der Community“ – FiveM und Rockstars nächster Schritt
Ein entscheidender Hinweis auf Rockstars Ambitionen liegt im Kauf von Cfx.re im Jahr 2023, dem Studio hinter der Mod-Plattform FiveM. Dort haben Spieler bereits bewiesen, wie stark das Interesse an großen Servern, festen Rollen und Rollenspiel-Strukturen ist. Ob als Polizist, Sanitäter oder Mechaniker – FiveM machte aus GTA Online faktisch ein leichtgewichtiges MMO.
Bemerkenswert ist dabei, dass diese Community zeitweise mehr Zuschauer und aktive Spieler anzog als das offizielle Angebot. Rockstar reagierte nicht mit Einschränkungen, sondern sicherte sich das Know-how direkt. Ein Schritt, der eher für Integration als für Abgrenzung spricht.
Das bedeutet nicht, dass GTA 6 ein klassisches MMORPG mit Raids und Hotbars wird. Doch große Server, persistente Fortschritte und eine Spielwelt, die unabhängig vom einzelnen Spieler weiterlebt, passen auffällig gut zu Rockstars bisherigen Entscheidungen. Ob das Studio diesen Weg tatsächlich geht, bleibt offen – klar ist nur: GTA 6 Online dürfte größer gedacht sein als alles zuvor.
























