
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Spieleentwicklung sorgt seit Monaten für hitzige Diskussionen. Spätestens seit Larian Studios offen über den Einsatz generativer KI bei frühen Konzepten sprach, steht das Thema im Zentrum der Branche. Zwischen Innovationsversprechen und Sorgen um Kreativität, Arbeitsplätze und Urheberrechte verlaufen die Fronten klar.
Nun hat sich mit Daniel Vávra, Mitgründer von Warhorse Studios und kreativer Kopf hinter „Kingdom Come: Deliverance“ und dessen Nachfolger, eine weitere prominente Entwicklerstimme zu Wort gemeldet. In mehreren Beiträgen auf X äußerte er sich ungewöhnlich deutlich – und stellt sich offen hinter den Kurs von Larian Studios.
„Diese Technologie verschwindet nicht mehr“
Vávra widerspricht der Vorstellung, KI sei ein Randphänomen einzelner Studios. Nach seiner Darstellung nutzen bereits heute nahezu alle größeren Entwickler entsprechende Werkzeuge – oft für technische oder vorbereitende Aufgaben. Die aktuelle Aufregung bezeichnete er als überzogen und zog einen historischen Vergleich: Der Widerstand gegen KI erinnere ihn an die Ablehnung von Dampfmaschinen im 19. Jahrhundert.
Dabei machte Vávra keinen Hehl daraus, dass er KI-generierte Kunst kritisch sieht. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass Ablehnung allein keine Option sei. „Man muss sich mit der Realität arrangieren“, so seine sinngemäße Aussage. Auch Warhorse Studios habe bereits KI-Tools eingesetzt, etwa zur technischen Überarbeitung von Texturen aus dem ersten „Kingdom Come: Deliverance“.
Seiner Ansicht nach liege der sinnvolle Einsatz vor allem dort, wo Entwicklungszeit und Ressourcen für wenig kreative, aber notwendige Arbeitsschritte gebunden werden.
Entlastung statt Ersatz – und neue Chancen für Rollenspiele
Besonders deutlich wird Vávra beim Blick auf moderne Entwicklungsprozesse. Spieleproduktionen dauerten heute oft sechs oder sieben Jahre, verschlängen enorme Budgets und hunderte Mitarbeitende. Aufgaben wie tausende generische Sprachzeilen oder sich wiederholende Asset-Erstellung seien dabei kaum kreativ, aber extrem zeitintensiv.
KI könne hier ansetzen, ohne die Kernarbeit zu ersetzen. Art Direction, Schreiben, Design und Programmierung blieben weiterhin menschliche Aufgaben. Für zentrale Dialoge, Zwischensequenzen und emotionale Momente sieht Vávra echte Schauspieler und Motion-Capturing weiterhin als unverzichtbar an. Für alltägliche NPC-Gespräche hingegen könne KI neue Möglichkeiten eröffnen.
Er verweist auf Systeme, bei denen Nichtspielerfiguren flexibel auf Fragen reagieren können – mit eigenem Wissen, Meinungen und Charakterzügen. Für Rollenspiele sei das ein potenziell revolutionärer Schritt, da solche Variationen klassisch kaum produzierbar wären. „Für Wegbeschreibungen oder eine Bestellung im Wirtshaus braucht es keine Oscar-reife Performance“, fasste er seine Haltung zusammen.
Langfristig hält Vávra den KI-Einsatz für unausweichlich. Das berge Risiken, eröffne aber auch Chancen: kleinere Teams, kürzere Entwicklungszeiten, neue Nischenprojekte – und möglicherweise eine geringere Abhängigkeit von großen Publisher-Strukturen. Die Debatte, so sein Fazit, werde nicht durch Ablehnung entschieden, sondern durch den verantwortungsvollen Umgang mit einer Technologie, die bereits Realität ist.
























