Wenn ein Name in der Rollenspielszene regelmäßig Ehrfurcht auslöst, dann ist es Tim Cain. Jahrzehntelang stand er für Welten, die Geschichten nicht nur erzählten, sondern lebendig machten. Seine Arbeit an ikonischen RPGs machte ihn zu einem der prägenden Köpfe des Genres – und zu einer Art stiller Legende, die auch nach ihrem Rückzug nie ganz aus dem Gespräch verschwand. Umso größer ist die Überraschung, dass Cain nun offiziell in Vollzeit zu Obsidian Entertainment zurückgekehrt ist, dem Studio, das seit Jahren als eine der kreativsten Schmieden klassischer Rollenspielkunst gilt.

Seine Rückkehr endet eine Phase, in der er vor allem beratend tätig war und Projekte aus der Distanz begleitete. Jetzt arbeitet er wieder vor Ort im Studio – ein Detail, das in der Community für besondere Aufmerksamkeit sorgt, weil es eine Rückkehr zu alten Arbeitsweisen andeutet: Hands-on, nah am Team, Teil des kreativen Kerns. Cain selbst beschrieb die Entscheidung in seinem YouTube-Format und in persönlichen Beiträgen als „richtigen Schritt“, um wieder stärker an der Entstehung eines Spiels mitzuwirken.

Diese Konstellation entfaltet eine besondere Magie: Obsidian, die seit Jahren mit ihren Rollenspielen große Erfolge feiern, und Cain, der Mann, dessen Name für eine bestimmte Art von Weltenbau steht, sitzen wieder in einem Raum. Damit entsteht ein Momentum, das es lange nicht mehr gab – und das Fans sofort elektrisierte.


Ein geheimes Projekt, das „niemand erraten kann

Während vielerorts spekuliert wird, hält Cain die Erwartungen bewusst klein – oder vielleicht auch besonders hoch. Er erklärte öffentlich, dass er aufgrund einer NDA keinerlei Informationen teilen darf. Gleichzeitig betont er: „Ihr könnt raten, was ihr wollt – ihr liegt sowieso falsch.“ Ein Satz, der in der Fanszene sofort zum Zitat wurde und die Spannung noch weiter anheizt.

Die Tatsache, dass niemand erraten könne, woran er arbeitet, eröffnet eine faszinierende Bandbreite an Möglichkeiten. Obsidian ist ein Studio, das von klassischen Iso-RPGs über Survival-Projekte bis hin zu frischen Sci-Fi-Welten alles entwickelt hat. Dazu kommen laufende Arbeiten an größeren Fantasy-Titeln, die die Aufmerksamkeit des Studios binden. Cains geheimnisvolle Aussage deutet darauf hin, dass das neue Projekt möglicherweise nicht in eines dieser üblichen Muster fällt – oder bewusst damit bricht.

Branchenbeobachter vermuten, dass Obsidian mit Cain an etwas Experimentellem arbeitet, das nicht unmittelbar an bestehende Marken anknüpft. Der Entwickler selbst war in der Vergangenheit nie jemand, der nur Bekanntes wiederholte. Seine größten Spiele entstanden, weil er Regeln hinterfragte und Genregrenzen überschritt. Dass er nun ein Projekt ankündigt, das sich nicht erraten lässt, passt perfekt zu dieser Philosophie.

Warum diese Rückkehr mehr bedeutet als ein neuer Job

Dass Cain zu Obsidian zurückgekehrt ist, findet nicht nur deshalb Beachtung, weil eine bekannte Persönlichkeit wieder ins Rampenlicht tritt. Vielmehr treffen hier zwei kreative Kräfte aufeinander, die gemeinsam viele Impulse für moderne Rollenspielentwicklung gesetzt haben. Obsidian hat mit seinen RPGs gezeigt, dass erzählerische Tiefe und mutige Spielideen kein Nischenkonzept sind – und Cains Designphilosophie war schon immer genau darauf ausgerichtet.

Gleichzeitig kommt seine Rückkehr in einer Phase, in der eine neue RPG-Generation entsteht: Spiele mit komplexen Entscheidungsbäumen, dynamischen Welten und stärkerem Fokus auf Spielerfreiheit feiern derzeit enorme Erfolge. Cain verkörpert genau diese Art von Design-Denkweise. Dass er wieder aktiv an einem neuen Titel arbeitet, könnte einen frischen Impuls für das Studio bedeuten – und vielleicht sogar einen Wegbereiter für das nächste große RPG der neuen Dekade darstellen.

Auch die Community sieht darin mehr als eine Personalie. Für viele ist Cain ein Symbol für eine bestimmte Art von Rollenspielgefühl, das in Zeiten großer Actionproduktionen immer seltener geworden ist. Obsidian wiederum ist eines der wenigen Studios, das diesen Ansatz bewahrt hat. Dass beide Seiten nun wieder vereint sind, wird von vielen Fans als Chance betrachtet, dass etwas entsteht, das sich mutig, eigenwillig und charakterstark anfühlt – ganz unabhängig davon, wie das Projekt am Ende aussehen wird.

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