Wenn Hideo Kojima über Videospiele spricht, geht es selten um Markttrends oder bewährte Formeln. Seit Jahrzehnten verfolgt der japanische Entwickler einen eigenen Ansatz – und hat das Medium damit mehrfach nachhaltig geprägt. Bereits Ende der 1990er-Jahre stellte er mit „Metal Gear Solid“ gängige Actionkonzepte auf den Kopf und etablierte mit der sogenannten „Tactical Espionage Action“ das Fundament des heutigen Stealth-Genres.

Auch viele Jahre später blieb Kojima diesem Drang zur Abgrenzung treu. „Death Stranding“ entzog sich bewusst klassischen Schubladen und wurde von seinem Schöpfer selbst als „Strand-Game“ bezeichnet – ein Spiel, das soziale Verbindungen und Kooperation in den Mittelpunkt stellt, statt direkte Konfrontation. Schon damals machte Kojima klar: Genredefinitionen betrachtet er eher als Ausgangspunkt denn als Grenze.

Nun blickt der Entwickler erneut nach vorn. In einem aktuellen Interview deutet er an, dass sein nächstes großes Ziel nicht weniger ist als die Erschaffung eines völlig neuen Gaming-Genres.

„Ich konzentriere mich nicht auf bestehende Genres“

Im Gespräch mit Wired, aufgegriffen von GamesRadar, wurde Kojima gefragt, welches klassische Genre ihn als Nächstes reizt. Seine Antwort fiel eindeutig aus: „Ich möchte Pionierarbeit für ein neues Genre leisten, daher konzentriere ich mich nicht sonderlich auf bestehende.“ Statt vorhandene Konzepte zu variieren, wolle er das Medium Videospiel weiter ausdehnen und neue Ausdrucksformen schaffen.

Dabei nannte Kojima auch thematische Vorlieben. Besonders Hard Science-Fiction habe es ihm angetan. Eine realistische, wissenschaftlich fundierte Sci-Fi-Erfahrung – idealerweise im Weltraum – reizt ihn nach eigener Aussage sehr. Gleichzeitig zeigte er Interesse an Western-Stoffen und Jidaigeki, klassischen historischen Erzählungen aus Japan. Allerdings räumte er ein, dass diese Genres bereits stark besetzt seien und eine wirklich neue Interpretation eine besondere Herausforderung darstelle.

Deutlich wird: Für Kojima steht nicht das Setting im Vordergrund, sondern die Frage, wie sich bekannte Themen auf eine bislang ungesehene Weise spielerisch umsetzen lassen.

Zwischen Horror, Spionage und Zukunftsvisionen

Bevor Kojima jedoch ein komplett neues Genre vorstellt, stehen zunächst zwei konkrete Projekte an. Mit „OD“, das in Zusammenarbeit mit den Xbox Game Studios entsteht, verspricht er „etwas noch nie Dagewesenes“. Erste Eindrücke lassen zwar an ein Horrorspiel denken, doch Kojima selbst relativiert diese Einordnung und erklärte offen, er wisse noch nicht einmal, „ob es überhaupt gelingen wird“.

Parallel dazu arbeitet er mit PlayStation an „Physint“. Das Projekt markiert seine Rückkehr zum Action-Spionage-Thema, das er einst selbst geprägt hat. Kojima bezeichnet „Physint“ als den Höhepunkt seiner fast 40-jährigen Karriere. Sein erklärtes Ziel: Die Grenze zwischen Film und Videospiel soll nahezu vollständig verschwimmen.

Ob Weltraum-Sci-Fi, experimenteller Horror oder cineastische Spionage – eines zeichnet sich klar ab: Hideo Kojima denkt weiterhin nicht in Genres, sondern in Möglichkeiten. Und genau darin liegt seit jeher seine besondere Stellung in der Spielebranche.

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