
Ein Geschäftsmodell unter Beobachtung
Der Markt rund um Influencer-Marketing wächst seit Jahren rasant. Neben klassischen Werbekooperationen entstehen dabei immer neue Formen der Fan-Interaktion – von exklusiven Inhalten bis hin zu vermeintlich privaten Chats. Genau hier setzt die Plattform Fanblast an, die damit wirbt, Fans einen direkten Austausch mit bekannten Persönlichkeiten zu ermöglichen. Zu den Mitgründern zählte auch der bekannte Streamer Knossi.
Doch dieses Versprechen geriet bereits 2025 juristisch ins Wanken. In zwei Verfahren verurteilten Gerichte Fanblast wegen irreführender Werbung. In den Urteilen wurde festgestellt, dass der beworbene persönliche Kontakt mit Influencern in der Praxis nicht stattgefunden habe, sondern Gespräche teilweise von Dritten geführt wurden. Diese Entscheidungen bildeten den Hintergrund für eine umfangreiche Recherche, die nun neue Dynamik in die Debatte bringt.
Der YouTuber und Moderator Robin Blase, bekannt als RobBubble, veröffentlichte Mitte Dezember ein fast einstündiges Enthüllungsvideo. Nach eigenen Angaben recherchierte er rund ein Jahr lang, sprach mit Whistleblowern und sichtete interne Unterlagen. Seine Vorwürfe richten sich vor allem gegen die Oasis Agency, die auf Fanblast aktiv gewesen sein soll.
„Agenturmitarbeiter geben sich als Stars aus“
Kern der Recherche ist der Vorwurf, dass Angestellte der Oasis Agency im Namen von Influencern mit Fans geschrieben haben sollen. Ziel sei es gewesen, Nutzer zu weiteren Ausgaben zu bewegen, etwa für exklusive Inhalte. RobBubble beschreibt dabei ein System, in dem emotionale Nähe gezielt genutzt worden sei, um Zahlungsbereitschaft zu steigern. Die Kommunikation sei zudem an Bonusmodelle geknüpft gewesen, die zusätzlichen finanziellen Druck erzeugt hätten.
Offen bleibt die Frage, inwieweit Fanblast als Plattformbetreiber von diesen Praktiken wusste. RobBubble legt in seinem Video mehrere Indizien vor, die auf enge Verbindungen zwischen Fanblast und der Agentur hindeuten sollen, darunter gemeinsame Kommunikationskanäle und räumliche Nähe. Eine eindeutige Klärung gibt es bislang nicht. Fanblast äußerte sich auf Anfrage lediglich knapp. Der COO teilte per E-Mail mit, man könne sich „wegen eines laufenden Verfahrens“ nicht äußern; es gehe nicht um eine „vermeintliche Abzocke“.
Kurz nach Veröffentlichung des Videos meldete sich auch Knossi selbst zu Wort. In einem öffentlichen Kommentar schrieb er: „Hab mir das ganze Video angesehen und bin ehrlich gesagt schockiert.“ Er betonte, seit über zwei Jahren nicht mehr operativ eingebunden zu sein und keinen Einfluss auf die spätere Ausrichtung von Fanblast gehabt zu haben. Weiter erklärte er, er distanziere sich ausdrücklich von den aktuellen Inhalten und sei dabei, seine verbliebenen Anteile zu veräußern.
Der Fall reiht sich in eine längere Liste ähnlicher Vorwürfe ein. Ob auf Abo-Plattformen oder in anderen digitalen Geschäftsmodellen – immer wieder wird bekannt, dass parasoziale Beziehungen ausgenutzt werden. Die Recherchen von RobBubble haben diese Problematik erneut ins Zentrum gerückt und eine Debatte angestoßen, die über Fanblast hinausreicht.
























