Als Highguard im Dezember 2025 bei den Game Awards vorgestellt wird, inszeniert sich der Free-to-Play-Shooter als kommender Multiplayer-Hit. Das Entwicklerstudio Wildlight Entertainment kündigt das Projekt selbstbewusst als neuen Maßstab im kompetitiven Bereich an. Die Erwartungen sind hoch – sowohl bei Spielern als auch bei Investoren.

Nur wenige Wochen nach dem offiziellen Start kippt die Stimmung jedoch deutlich. Spielerzahlen brechen ein, die Kritik an Design und Umfang nimmt zu. Ende Februar folgt schließlich die Zäsur: Ein Bericht des Bloomberg-Journalisten Jason Schreier, veröffentlicht unter anderem via IGN, zeichnet das Bild eines Studios am Rand der Auflösung.

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Kurswechsel, Schattenstart und verpasste Warnsignale

Wildlight Entertainment entsteht 2021 und wird von ehemaligen Entwicklern von Apex Legends und Titanfall mitgegründet. Das erklärte Ziel lautet von Beginn an: einen vergleichbaren Multiplayer-Erfolg zu schaffen. Doch der Entwicklungsweg von Highguard verläuft unruhig.

Ursprünglich startet das Projekt als Survival-Shooter mit klaren Anleihen bei Rust. Erst nach rund zwei Jahren wechselt das Team auf das Konzept eines kompetitiven Hero-Shooters. Elemente des alten Designs bleiben jedoch erhalten und sorgen laut späterer Kritik für weitläufige, aber inhaltsarme Karten und ein unfokussiertes Spielgefühl.

Auch beim Marketing setzt Wildlight auf Risiko. Statt einer offenen Testphase entscheidet sich das Studio für einen überraschenden Release ohne öffentliche Beta. Diese sogenannte Shadowdrop-Strategie funktioniert Jahre zuvor bei Apex Legends, doch bei Highguard fehlen dadurch frühe Rückmeldungen der Community. Zentrale Probleme treten erst nach dem Launch offen zutage – zu spät für grundlegende Korrekturen.

„Hybris“ und das abrupte Ende der Finanzierung

In Gesprächen mit Schreier beschreiben mehrere anonyme Entwickler die interne Haltung rückblickend mit einem klaren Begriff: „Hybris“. Die Führungsebene habe sich zu stark auf frühere Erfolge verlassen und unterschätzt, wie sehr sich Markt, Konkurrenz und Erwartungen verändert haben.

Kurzzeitig scheint die Rechnung dennoch aufzugehen. Zum Start verzeichnet Highguard auf Steam rund 100.000 gleichzeitige Spieler. Doch das Interesse hält nicht an. Die Bindung der Nutzer bleibt gering, Einnahmen aus Mikrotransaktionen bleiben deutlich hinter den Planungen zurück. Vertraglich festgelegte Meilensteine lassen sich nicht mehr erfüllen.

Daraufhin zieht der Hauptgeldgeber Tencent die Finanzierung zurück. Die Konsequenzen sind drastisch: Von ursprünglich rund 100 Beschäftigten bleiben laut dem Bericht weniger als 20 im Studio. Die Entlassungen erfolgen bereits am 11. Februar – nur etwa zwei Wochen nach dem Release.

Trotz der massiven Einschnitte arbeitet das verbliebene Team weiter an Updates für Highguard. Ob ein so stark verkleinertes Studio einen Live-Service-Shooter dieser Größenordnung langfristig betreuen kann, bleibt jedoch offen.

FAQ zu Highguard und Wildlight Entertainment

Was ist Highguard?
Highguard ist ein Free-to-Play-Multiplayer-Shooter mit Hero-Elementen.

Wer entwickelt das Spiel?
Das Spiel stammt vom Studio Wildlight Entertainment, gegründet 2021 von ehemaligen Branchenveteranen.

Warum steht Highguard in der Kritik?
Spieler bemängeln unter anderem unfokussiertes Spieldesign, leere Karten und fehlende inhaltliche Tiefe.

Gab es vor dem Release eine Beta?
Nein, Highguard erscheint ohne öffentliche Testphase als sogenannter Shadowdrop.

Was berichtet Jason Schreier?
Laut seinem Insider-Bericht kommt es nach dem Launch zu massiven Entlassungen im Studio.

Welche Rolle spielt Tencent?
Tencent ist Hauptfinanzierer und zieht nach verfehlten Zielen die Unterstützung zurück.

Wie viele Mitarbeiter bleiben bei Wildlight?
Berichten zufolge arbeiten weniger als 20 Entwickler weiter am Projekt.

Wird Highguard weiterentwickelt?
Ja, das verbliebene Team veröffentlicht weiterhin Updates, die Zukunft des Spiels gilt jedoch als ungewiss.

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