Eigentlich sollte es ein ruhiger Abend werden. Ein Motelzimmer, eine mitgebrachte PS5 und ein paar intensive Runden ARC Raiders – mehr brauchte der Spieler, der sich online „YoMopho“ nennt, nicht. Doch was als harmlose Gaming-Session begann, entwickelte sich zu einer Szene, die selbst erfahrene Polizisten kurz stutzen ließ. Denn durch die dünnen Motelwände klangen seine emotionalen Reaktionen im Voicechat eher nach Lebensgefahr als nach virtuellem Gefecht.

Was danach folgte, zeigt, wie unerwartet nah virtuelle Dramen und echte Besorgnis beieinanderliegen können – und warum die Polizei manchmal nur deshalb vor der Tür steht, weil ein Spieler zu sehr in sein Spiel eintaucht.

„Was geht da drüben vor?“: Von harmlosen Schreien zum Polizeiklopfen

YoMopho berichtete auf Reddit, er habe die Nacht in einem Motel verbracht und seine PS5 angeschlossen, um sich mit ARC Raiders die Zeit zu vertreiben. Als er gerade in einem Gefecht auf dem Rückweg zum Extraction Point steckte, passierte es: Ein Raketenwerfer erwischte ihn im Spiel, er rief um Hilfe, hörbar panisch, hörbar verzweifelt.

Diese Szene allein hätte wohl kaum jemanden aufgeschreckt – doch in Kombination mit dünnen Wänden und Gästen, die nicht wussten, dass nebenan ein Koop-Shooter lief, wirkte alles plötzlich sehr real. Besonders ein Satz blieb ihm im Gedächtnis, als er später versuchte zu rekonstruieren, was die Nachbarn wohl gehört hatten:
„Ich bin erledigt, bitte hilf mir, ich wurde angeschossen!“

Kurz danach folgte sein „sterbender Schrei“, als sein Charakter im Spiel zu Boden ging. Für Gamer nichts Ungewöhnliches – für Außenstehende ein Grund zur Alarmierung.

Wenige Minuten später stand die Polizei vor seiner Tür. Und obwohl viele Reddit-User anfangs dachten, es handle sich um eine ausgedachte Story, bestätigte die zuständige Polizeibehörde den Einsatz tatsächlich gegenüber GamesRadar+.

„Alles gut – nur ein Raider“: Warum solche Einsätze kein Einzelfall sind

Als die Beamten das Zimmer betraten und PS5 samt Headset sahen, klärte sich die Lage schnell auf. Kein Verbrechen, nur ein emotionales ARC-Raiders-Match. Laut YoMopho seien die Polizisten entspannt gewesen – vermutlich sahen sie sofort, dass die „Hilferufe“ aus rein digitalem Ursprung stammten.

Interessant ist jedoch, dass dieses Erlebnis alles andere als ungewöhnlich ist. In der Gaming-Community erinnerten sich viele an ähnliche Situationen. Ein Nutzer berichtete: „Schon in den frühen 2000ern hatten wir das Problem ständig. Counter-Strike-Spieler redeten dauernd über Bomben.“ Ein anderer gestand sogar, er habe einmal selbst die Polizei gerufen, weil er dachte, der Nachbar tue jemandem etwas an – dabei spielte dieser nur sehr laut und sehr emotional ein Game.

Und gleichzeitig bestätigen viele: Es war die richtige Entscheidung. Denn falls es tatsächlich eine Gefahr gegeben hätte, wäre schnelles Handeln lebenswichtig gewesen. Oder wie ein Reddit-User kommentiert:
„Wenn sich jemand beim Zocken so anhört, als wäre ein Mord passiert, dann ist ein Realitätscheck vielleicht gar nicht verkehrt.“

play-rounded-fill