
Kaum ein Rollenspiel hat das vergangene Spielejahr so deutlich geprägt wie Clair Obscur: Expedition 33. Der Titel von Sandfall Interactive hat bei Preisverleihungen überzeugt, starke Wertungen gesammelt und ist schnell zum festen Bezugspunkt für moderne Genrevergleiche geworden. Unabhängig von persönlichen Vorlieben galt das Spiel 2025 als eines der meistdiskutierten RPGs.
Mit dem großen Erfolg ist nun auch eine Debatte aufgeflammt, die in der Branche nicht neu ist. Ein kürzlich veröffentlichter Trailer zu einem kommenden Rollenspiel aus China hat für Aufmerksamkeit gesorgt, weil darin deutliche Parallelen zu Clair Obscur: Expedition 33 erkennbar sind. In sozialen Netzwerken wird seither darüber diskutiert, wo Inspiration endet und Nachahmung beginnt.
Vertraute Systeme und ein wiedererkennbarer Stil
Das angesprochene Spiel ist das Sword and Fairy 4: Remake des chinesischen Entwicklers Up Software. Besonders die rundenbasierten Kampfszenen haben bei vielen Zuschauern Erinnerungen an Clair Obscur geweckt. Auffällig sind dabei nicht nur Timing-Mechaniken und Konterelemente, sondern auch die Präsentation der Kämpfe.
Dabei ist wichtig einzuordnen: Clair Obscur: Expedition 33 hat das Genre nicht neu erfunden. Das Kampfsystem hat sich hörbar bei bekannten Vorbildern bedient, darunter klassische JRPGs, rhythmische Kontermechaniken und präzises Parieren, wie man es aus Action-Titeln kennt. Genau diese Mischung hat dem Spiel jedoch einen eigenständigen Charakter verliehen.
Ein Nutzer auf X sprach in diesem Zusammenhang bereits von einem „Expedition-33-Like“. Andere Stimmen widersprachen und verwiesen darauf, dass sich sowohl Clair Obscur als auch Sword and Fairy aus einem großen gemeinsamen Pool japanischer Rollenspieltraditionen bedienen. Die Diskussion zeigt vor allem, wie präsent der Stil von Expedition 33 inzwischen geworden ist.
Zwischen Trend und natürlicher Weiterentwicklung
Ein genauerer Blick auf die Sword and Fairy-Reihe liefert zusätzlichen Kontext. Die Serie umfasst bereits sieben Hauptteile und ist im ostasiatischen Raum seit Jahren etabliert. Der vierte Teil erschien 2007 und setzte damals auf einen deutlich verspielteren, animehaften Look. Das Remake schlägt nun einen realistischeren Ton an und modernisiert Technik sowie Inszenierung spürbar.
Gerade das Benutzerinterface im Kampf – von der Angriffsauswahl über die Platzierung der Charakterporträts bis hin zur Anzeige der Gegnerwerte – hat viele Vergleiche ausgelöst. In dieser Kombination erinnern die Szenen stark an Clair Obscur, auch wenn einzelne Elemente für sich genommen keineswegs neu sind.
Fest steht: Clair Obscur: Expedition 33 hat gezeigt, wie wirkungsvoll bekannte Mechaniken neu zusammengesetzt werden können. Dass andere Entwickler diese Ansätze aufgreifen, gilt in der Branche als normaler Prozess. Ob daraus ein kurzlebiger Trend oder ein dauerhafter Einfluss auf kommende Rollenspiele entsteht, werden die nächsten Veröffentlichungen zeigen.
























