Seit Jahren steigen die Preise für Videospiele schrittweise an. Was lange als psychologische Grenze galt, könnte nach Einschätzung eines Branchenveteranen jedoch bald fallen. Der frühere Call-of-Duty-Entwickler Greg Reisdorf rechnet damit, dass AAA-Spiele in absehbarer Zeit die 100-Dollar-Marke erreichen.

Seine Aussagen fallen nicht aus dem luftleeren Raum. Die Budgets moderner Blockbuster-Produktionen wachsen rasant, während Publisher gleichzeitig unter steigendem Erwartungsdruck von Investoren stehen. In diesem Spannungsfeld wird die Preisfrage zunehmend zum wirtschaftlichen Faktor.

„Nur eine Frage der Zeit“ – Ein Branchenveteran blickt nach vorn

Greg Reisdorf, früher als Multiplayer Creative Director bei Call of Duty tätig, äußerte sich in einem aktuellen Interview deutlich zur Preisentwicklung im Spielemarkt. Nach seiner Einschätzung steuern große Publisher unausweichlich auf einen neuen Standard zu. Die 100-Dollar-Grenze sei kein Tabu mehr, sondern lediglich eine Frage des richtigen Zeitpunkts.

Reisdorf begründet diese Entwicklung vor allem mit den massiv gestiegenen Produktionskosten. Moderne AAA-Titel benötigen große Teams, lange Entwicklungszeiten und teure Technologien. Gleichzeitig erwarten Investoren stetiges Wachstum, was den finanziellen Druck auf die Publisher weiter erhöht.

Entscheidend sei dabei nicht, ob der Schritt kommt, sondern wer ihn zuerst wagt. Laut Reisdorf warten viele Unternehmen darauf, dass ein großer Publisher den Anfang macht – danach dürfte sich der neue Preis schnell etablieren.

Zwischen Marktanalysen und Mega-Produktionen

Reisdorfs Einschätzung deckt sich teilweise mit aktuellen Marktanalysen, die ebenfalls von steigenden Spielpreisen ausgehen. Während einige Beobachter kurzfristig eher 80 Dollar als realistische Obergrenze sehen, halten andere einen deutlich höheren Einstiegspreis für möglich – zumindest bei ausgewählten Titeln.

Besonders häufig fällt in diesem Zusammenhang der Name „Grand Theft Auto 6“. Das Spiel gilt als eines der teuersten Projekte der Branche und wird oft als möglicher Kandidat genannt, um einen neuen Preisstandard zu setzen. Ein solcher Schritt würde weniger als Ausnahme, sondern eher als Signalwirkung verstanden.

Ob und wann die 100-Dollar-Marke tatsächlich erreicht wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion hat längst begonnen – und sie spiegelt die wirtschaftlichen Realitäten einer Branche wider, in der Blockbuster-Spiele immer größer, teurer und riskanter werden.

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