Moderne Story-Games setzen immer stärker auf Entscheidungen, die den Verlauf der Handlung beeinflussen. Doch während viele Titel am Ende eine klare Richtung vorgeben, geht „Clair Obscur: Expedition 33“ bewusst einen anderen Weg.

Das düstere Rollenspiel lässt seine Spieler mit zwei möglichen Enden zurück – und verweigert dabei jede eindeutige Auflösung. Diese Entscheidung ist kein Zufall, sondern Teil eines klaren erzählerischen Konzepts, das nun auch Auswirkungen auf die Zukunft der Reihe haben könnte.

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„Ein Schrödingersches Ende“ – warum es keine klare Antwort gibt

Am Ende von „Clair Obscur: Expedition 33“ stehen Spieler vor einer grundlegenden Entscheidung. Je nachdem, ob sie Maelle oder Verso steuern, entwickelt sich die Geschichte in zwei unterschiedliche Richtungen – beide mit schwerwiegenden Konsequenzen.

Das sogenannte Maelle-Ende erhält zwar das Leben der Gruppe, nimmt ihr jedoch die Selbstbestimmung und führt zu einem tragischen Schicksal der Figur. Das Verso-Ende wirkt emotional befreiender, endet jedoch mit dem Tod zahlreicher Charaktere. Eine klassische „richtige“ Wahl existiert damit nicht.

Genau das ist laut Autorin Jennifer Svedberg-Yen beabsichtigt. Im Interview mit IGN erklärt sie: „Wir werden uns nicht für eins entscheiden. […] Es gibt dort kein Canon-Ending. Es ist ein Schrödingersches Ende.“ Beide Varianten gelten somit gleichermaßen als gültig – die Einordnung liegt vollständig bei den Spielern.

Fortsetzung ohne festen Ausgangspunkt – wie geht es weiter?

Bemerkenswert ist diese Herangehensweise vor allem deshalb, weil bereits an einem weiteren Spiel im gleichen Universum gearbeitet wird. In vielen vergleichbaren Fällen legen Entwickler für Fortsetzungen ein offizielles Ende fest, um eine klare narrative Grundlage zu schaffen.

Bei „Clair Obscur“ scheint das nicht geplant zu sein. Laut Svedberg-Yen bleibt offen, welches Ende als Ausgangspunkt dient – oder ob beide parallel berücksichtigt werden. Denkbar wäre etwa eine Geschichte, die unabhängig vom konkreten Ausgang funktioniert oder mehrere Einstiegspunkte bietet.

Diese Entscheidung passt zur grundsätzlichen Ausrichtung des Spiels, das bewusst mit Ambivalenz arbeitet. Statt eindeutiger Auflösung setzt das Team auf emotionale Nachwirkungen – ein Ansatz, der bei vielen Spielern ein Gefühl der Leere hinterlässt. Ein Effekt, der laut psychologischen Studien nach intensiven Spielerfahrungen durchaus verbreitet ist.

FAQ

Gibt es ein offizielles Ende in „Clair Obscur: Expedition 33“?
Nein. Die Entwickler bestätigen, dass es kein Canon-Ending gibt.

Welche Enden stehen zur Auswahl?
Spieler entscheiden zwischen einem Maelle- und einem Verso-Ende – beide mit tragischen Konsequenzen.

Warum gibt es kein „richtiges“ Ende?
Die Entwickler wollen bewusst keine eindeutige Auflösung vorgeben, um Interpretationsspielraum zu lassen.

Was bedeutet „Schrödingersches Ende“?
Beide Enden gelten gleichzeitig als gültig, ohne dass eines offiziell bevorzugt wird.

Wird es eine Fortsetzung geben?
Ja, ein weiteres Spiel im selben Universum befindet sich bereits in Planung.

Wie funktioniert eine Fortsetzung ohne festes Ende?
Möglich sind mehrere Ausgangsszenarien oder eine Geschichte, die unabhängig vom vorherigen Ende erzählt wird.

Warum reagieren viele Spieler emotional auf das Ende?
Die tragische Ausrichtung und fehlende Auflösung können ein Gefühl der Leere erzeugen.

Ist dieses Gefühl ungewöhnlich?
Nein, Studien zeigen, dass intensive Spielerfahrungen häufig ähnliche emotionale Reaktionen hervorrufen.

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