
Ein gefeiertes Indie-RPG – und ein unerwarteter Wendepunkt
Für „Clair Obscur: Expedition 33“ lief das Jahr 2025 zunächst nahezu perfekt. Das Rollenspiel des Studios Sandfall Interactive sammelte viel Lob ein und konnte sich bei mehreren Preisverleihungen durchsetzen. Auch bei den Indie Game Awards 2025 gehörte der Titel zu den großen Gewinnern des Abends.
Kurz nach der Zeremonie folgte jedoch eine Entscheidung, die in der Branche für Aufmerksamkeit sorgte. Die Veranstalter der Indie Game Awards gaben bekannt, dass das Spiel nachträglich disqualifiziert werde. Beide bereits verliehenen Auszeichnungen – bestes Indie-Spiel des Jahres und bester Studio-Erstling – wurden aberkannt und neu vergeben.
Auslöser war keine inhaltliche Kritik am Spiel, sondern eine Frage der Transparenz. Konkret ging es um den Einsatz von generativer KI während der Entwicklung und um widersprüchliche Aussagen des Studios dazu.
„Eine klare Haltung gegen generative KI“
In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Six One Indie, der Veranstalter der Indie Game Awards, die Hintergründe der Entscheidung. Man vertrete eine eindeutige Linie beim Thema künstliche Intelligenz:
„Die Indie Game Awards vertreten eine klare Haltung gegen den Einsatz von generativer KI während des gesamten Nominierungsprozesses sowie während der Zeremonie selbst.“
Nach Angaben der Ausrichter habe Sandfall Interactive im Vorfeld der Nominierung versichert, dass bei der Entwicklung von „Clair Obscur: Expedition 33“ keine generative KI verwendet worden sei. Diese Aussage sei später jedoch relativiert worden. Am Tag der Preisverleihung bestätigte das Studio demnach, dass entsprechende Technologien doch zum Einsatz kamen.
Six One Indie erklärte dazu weiter:
„Vor dem Hintergrund, dass Sandfall Interactive am Tag der Premiere der Indie Game Awards 2025 den Einsatz von generativer KI bestätigt hat, führt dies zur Disqualifikation von Clair Obscur: Expedition 33 von seiner Nominierung.“
Die Konsequenzen waren eindeutig: Die Preise gingen an die jeweils zweitplatzierten Titel. „Blue Prince“ erhielt die Auszeichnung als bestes Indie-Spiel des Jahres, während „Sorry We’re Closed“ als bester Debüt-Titel geehrt wurde.
Produzent François Meurisse äußerte sich später in einem Interview zum Vorgang und betonte, dass KI lediglich zur Effizienzsteigerung eingesetzt worden sei. Details zum genauen Umfang nannte er jedoch nicht. Die Entscheidung der Indie Game Awards verdeutlicht damit vor allem eines: Beim Thema KI setzen manche Preisverleiher klare Grenzen – und verlangen vollständige Offenheit von den Studios.
























