
Kaum eine Nintendo-Reihe genießt unter Sci-Fi-Fans einen so legendären Status wie Metroid Prime. Seit dem ersten GameCube-Abenteuer gilt die Serie als Maßstab für atmosphärische Erkundung, kluge Levelarchitektur und fein austariertes Shooter-Gameplay. Umso größer waren Erwartung und Nervosität, als Metroid Prime 4: Beyond nach jahrelanger Entwicklungszeit endlich kurz vor dem Release stand.
Jetzt, wenige Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart für Nintendo Switch 1 und Switch 2, liegen die ersten Tests vor – und sie zeichnen ein ungewohnt uneinheitliches Bild. Zwischen Lob für Atmosphäre und Gameplay und deutlicher Kritik an neuen Open-World-Ideen steht Samus’ Rückkehr erstmals spürbar im Schatten ihres eigenen Erbes.
„Gemischtes Echo“: Die ersten Wertungen sprechen klare Worte
Ein Blick auf die Zahlen – und eine historische Einordnung
Auf Metacritic landet Metroid Prime 4: Beyond mit 80 Punkten aus 55 Kritiken, während OpenCritic leicht höhere 83 Punkte meldet. Werte, die für viele Spiele mehr als solide wären – doch im Vergleich zu den Vorgängern fällt der Unterschied sofort ins Auge. Der GameCube-Klassiker Metroid Prime erreichte beeindruckende 97 Punkte, die Nachfolger 92 und 90.
Auch die Einzelauswertungen schwanken stark: Während Magazine wie Game Informer (88) oder Games.ch (85) begeistert urteilen, ziehen VGC und Eurogamer mit je 60 Punkten ein deutlich ernüchternderes Fazit.
Was die Kritiker loben: Atmosphäre und Kern-Gameplay
Viele Tests bescheinigen dem Spiel weiterhin die Stärken, für die die Reihe berühmt wurde. Die Shooter-Mechanik wirkt präzise, die Rätsel fügen sich gut ins Leveldesign ein und die Inszenierung auf der Switch 2 holt spürbar mehr aus dem Science-Fiction-Setting heraus als frühere Titel.
Die Stimmung, die Retro Studios aufbaut, wird mehrfach als „dicht“ und „audiovisuell beeindruckend“ beschrieben – ein Punkt, der bei Metroid Prime schon immer essenziell war.

Wo die Zweifel wachsen: Kritik am neuen Open-World-Kurs
Besonders deutlich reagiert GameStar-Tester Sören Diedrich. In seinem Review spricht er von einer „seelenlosen Open World“ und kritisiert, dass NPCs zu viele Hinweise geben und damit das typische Metroidvania-Gefühl abschwächen. Sein Fazit fällt klar aus:
„Ein stimmungsvolles Sci-Fi-Abenteuer, das massiv unter fragwürdigen Design-Entscheidungen leidet.“
Solche Aussagen machen deutlich, wie stark die Spielphilosophie des vierten Teils mit den Erwartungen der Fans kollidiert.
Kapitel 2 – Verdeckte Versionen und offene Fragen: Was jetzt auf die Fans zukommt
Keine Tests zur Switch-1-Version – ein ungewöhnlicher Schritt
Zum Zeitpunkt des Review-Embargos durfte ausschließlich die Switch-2-Fassung bewertet werden. Die Switch-1-Version bleibt laut Nintendo bis zum Release unter Verschluss – ein Detail, das zusätzliche Spekulationen anheizt. Die Frage, wie gut das technisch anspruchsvolle Abenteuer auf der älteren Hardware läuft, ist damit weiterhin offen.
Warum Beyond so polarisiert – und was das für die Reihe bedeutet
Der Riss zwischen überzeugten Befürwortern und enttäuschten Serienveteranen zieht sich durch nahezu jeden Test. Manche feiern den Mut, klassische Strukturen aufzubrechen, während andere darin den Verlust jener DNA sehen, die die Prime-Reihe jahrzehntelang besonders machte.
Dazu kommt die lange Wartezeit: Nach 18 Jahren ohne nummerierten Teil sind die Erwartungen gewaltig – und jede Abweichung vom Originalrezept wirkt stärker, als sie es vielleicht bei anderen Serien täte. Ob Metroid Prime 4: Beyond langfristig als mutige Evolution oder als verpasste Chance gilt, entscheidet nun die Community selbst.























