Seit Monaten kursieren Spekulationen über den Zustand von Eidos Montreal, einem der bekanntesten Studios unter dem Dach der Embracer Group. Gerüchte über eine zweistellige Zahl eingestellter Produktionen befeuerten die Diskussion zusätzlich, doch ein neuer interner Bericht zeichnet ein differenzierteres Bild. Demnach soll die tatsächliche Zahl gecancelter Projekte deutlich niedriger liegen. Gleichzeitig bieten die neuen Informationen erstmals einen strukturierten Blick hinter die Kulissen – von alten Prototypen bis hin zu aktuellen Umstrukturierungen.

„Weniger als gedacht“: Was wirklich gestrichen wurde

Interne Dokumente, auf die sich der Insiderbericht beruft, deuten darauf hin, dass bei Eidos Montreal in den vergangenen Jahren etwa ein halbes Dutzend Projekte eingestellt wurden. Dies widerspricht früheren Schätzungen, die von bis zu zehn betroffenen Titeln ausgingen. Die meisten dieser Arbeiten liefen unter dem internen P-Codex, der sowohl eigene Entwicklungen als auch unterstützende Projekte für andere Studios umfasst.

Darunter befand sich ein geplanter Ableger der Reihe Deus Ex, der sich in einer frühen Konzeptionsphase befand. Ebenfalls beendet wurde ein Reboot der Marke Legacy of Kain, das als Dark-Fantasy-Action-RPG aufgebaut gewesen wäre und erste kreative Richtungen bereits festgelegt hatte. Ein weiteres verworfenes Projekt basierte auf Der Herr der Ringe und sollte als erzählerisch geprägtes Karten-Abenteuer im Stil der Telltale-Spiele entstehen.

Nach Angaben des Berichts wurden einige dieser Projekte bereits vor Jahren intern gestoppt, lange bevor die aktuellen Einschnitte im Gefolge der Embracer-Neuausrichtung sichtbar wurden. Die nun öffentlich diskutierten Streichlisten vermischen daher ältere Studioentscheidungen mit den jüngsten Entwicklungen.


Neue Ausrichtung, neue Prioritäten: Woran Eidos Montreal jetzt arbeitet

Während ältere Projekte aus unterschiedlichen Gründen nicht weitergeführt werden, konzentriert sich Eidos Montreal derzeit auf ein umfangreiches Vorhaben mit dem internen Kürzel P22. Dabei handelt es sich laut den vorliegenden Informationen um ein großes Open-World-Third-Person-Action-Adventure. Dieses betreut ein Team, das zuvor an „Shadow of the Tomb Raider“ gearbeitet hat. Der Titel befindet sich demnach kurz vor der Beta-Phase und soll im kommenden Jahr erscheinen.

Die jüngsten personellen Einschnitte im Studio stehen offenbar im Zusammenhang mit einem weiteren Projekt, P11. Hier wurde die Konzeptionsphase abgeschlossen, bevor das Team in die nächste Entwicklungsstufe übergehen sollte. Die Anpassung der Teamgröße deutet auf eine interne Neustrukturierung hin, die dem veränderten Produktionsumfang entspricht.

Der Bericht macht zudem deutlich, wie sehr die übergeordneten Entscheidungen der Embracer Group die Entwicklungslandschaft des Studios geprägt haben. Einige Abbrüche seien bereits vor längerer Zeit erfolgt, während andere direkt mit den jüngsten strategischen Veränderungen in Verbindung stehen. Dadurch entsteht ein Gesamtbild, das die Situation zwar problematisch erscheinen lässt, aber weniger drastisch ausfällt als zuvor angenommen.

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