
In den großen Sci-Fi-Welten moderner Shooter erwartet man vieles. Schimmernde Rüstungen. Düstere Maschinen. Gegner, die aussehen, als hätte man sie im Labor zusammengeschraubt. Doch manchmal stolpert ein Detail ins Rampenlicht, das so gar nicht ins Genre passt – und genau deshalb hängen bleibt. Im Fall von „Arc Raiders“ ist es ausgerechnet ein Hahn, der nur mit einem Auge etwas anfangen kann. Und dennoch hat Scrappy, wie ihn die Community längst liebevoll nennt, eine Rolle erobert, die keiner geplant hat.
Während das Spiel inzwischen über sieben Millionen Verkäufe verbucht und damit als einer der Überraschungserfolge des Jahres gilt, erzählt der Aufstieg dieses Vogels eine zweite, unerwartet menschliche Geschichte. Eine Geschichte darüber, wie Ideen entstehen, wenn niemand hinschaut – und warum ein unfreiwilliger Cameo am Ende die Herzen eines gesamten Teams und der Spielerschaft gewinnt.
„Wir haben da noch einen Hahn rumliegen…“ – von einem Zoom-Aussetzer zur Kultfigur
„Er kam einfach ins Bild – und plötzlich lachte niemand mehr über meine Präsentation, sondern nur noch über ihn.“
So beschreibt 3D Artist Johan laut einem Studio-Q&A die Szene, die Scrappys Reise auslöste. Eigentlich wollte Johan nur einen klaren, professionellen Eindruck machen. Doch seine Eltern hatten andere Pläne – oder besser gesagt: ihre Hühner. Ein ganzer Schwarm marschierte durchs Bild, aber ein Hahn stach heraus: tapsig, freundlich, halbblind. Ein Tier, das mehr Chaos als Eleganz versprühte und doch sofort Sympathie weckte.
Johan hielt den Moment fest, scannte Håkan – so der Name des realen Hahns – ein und platzierte ihn als kleinen Insider in einer Testversion von „Arc Raiders“. Niemand nahm das ernst. Und doch ertappte sich das Team dabei, wie es die unfertige Hühnerskulptur in der Cantina suchte, weil sie schlicht gute Laune brachte. Was als interner Gag gedacht war, wurde zum fixen Orientierungspunkt in einer Entwicklung, die sonst nur selten Raum für Leichtigkeit ließ.
Als später ein Objekt gebraucht wurde, das nach Raids Ressourcen ausspuckt, diskutierte das Team hitzig über neue Ideen. Roboter? Kisten? Etwas Tierisches? Nichts zündete. Bis ein Entwickler in den Raum fragte: „Moment… hatten wir nicht diesen Hahn?“ Dieser Satz – halb Spaß, halb Notlösung – besiegelte Scrappys endgültigen Einstieg ins Spiel.
Wie Scrappy das Herz des Spiels wurde – und warum er mehr bedeutet als ein lustiger Gag
Scrappy überlebte alle Meetings, alle Überarbeitungen und alle Argumente für „seriösere“ Alternativen. Es stellte sich heraus, dass er perfekt funktionierte. Und mehr noch: Er gab dem von Technologie dominierten Setting etwas Warmes, Unperfektes, Erdendes. Figurendesign, Story und Atmosphäre profitierten plötzlich von einem Charakter, den niemand rational erklären konnte – und gerade das machte ihn authentisch.
Heute sieht man Scrappy nicht mehr als Notlösung, sondern als Symbol dafür, wie sich Kreativität oft auf Umwegen durchsetzt. Unzählige Spieler teilen Clips, in denen er nach einem Raid durchs Bild stolziert, als hätte er das Universum selbst gerettet. In Foren wird er gefeiert wie eine Art tierischer Glücksbringer, manche nennen ihn sogar den „eigentlichen Anführer der Raiders“.
Und genau das zeigt, warum er funktioniert: Scrappy ist die Erinnerung daran, dass Welten – selbst futuristische – nicht perfekt sein müssen. Kleine Makel schaffen Charme. Ein Hahn, der nicht richtig geradeaus schauen kann, hat „Arc Raiders“ mehr Identität gegeben als so mancher Roboterentwurf.
Wenn ihr ihn begegnet: grüßen. Oder kurz lachen. Scrappy versteht beides als Kompliment.
























