
Für viele beginnt die Erinnerung mit einer simplen Befehlszeile. Wer in den frühen 1980er-Jahren vor einem Commodore 64 saß, kennt den Moment, in dem aus kryptischem Code plötzlich ein Spiel oder ein Programm wurde. Der Heimcomputer prägte eine Generation – und verschwand später ebenso spektakulär, wie er aufgestiegen war. Nun, 31 Jahre nach dem Aus der Marke Commodore, kehrt der C64 zurück.
Der Name Commodore steht wie kaum ein anderer für den Aufbruch der Heimcomputer-Ära. Mit vergleichsweise günstigen Preisen und einer klaren Vision erreichte das Unternehmen Millionen Haushalte. Heute, Jahrzehnte später, erlebt diese Vision eine unerwartete Neuauflage.
Vom Brotkasten zum Kultobjekt: Der Aufstieg von Commodore
Commodore-Gründer Jack Tramiel hatte früh ein klares Ziel. „Wir müssen Computer für die Massen bauen, nicht für die Klassen“, lautete sein Credo. Mit dem C64 gelang genau das. Das Gerät, wegen seines Designs oft „Brotkasten“ genannt, entwickelte sich ab 1982 zum weltweiten Verkaufsschlager. Rund 17 Millionen Exemplare gingen über die Ladentische, befeuert durch eine stetig wachsende Spielebibliothek.
Titel wie „Summer Games“, „Maniac Mansion“ oder „Defender of the Crown“ erreichten Kultstatus, ebenso zahlreiche Produktionen aus Deutschland. Der Technikjournalist Steven Levy beschrieb den Rechner später als „ein Wunder aus Kostenersparnis und cleverem Marketing“. Selbst abseits der Technik war Commodore präsent, etwa als Trikotsponsor des FC Bayern München in den 1980er-Jahren.
Doch der Erfolg war nicht von Dauer. Neue Konkurrenz durch IBM-PCs und Ataris ST setzte Commodore unter Druck. Der Amiga 500 wurde zwar noch ein großer Erfolg, besonders in Deutschland, konnte den langfristigen Niedergang der Marke jedoch nicht aufhalten.
31 Jahre später: Ein Comeback mit alter Seele
Heute sorgt ein überraschender Besitzerwechsel für neues Interesse. Der YouTuber Christian Simpson hat die Commodore Corporation übernommen und sich damit die Rechte an 47 Marken gesichert. Eigentlich hatte Simpson lediglich Fanprojekte umsetzen wollen, doch daraus wurde ein vollständiger Kauf. Der Preis soll im niedrigen siebenstelligen Bereich gelegen haben.
Gemeinsam mit ehemaligen Commodore-Mitarbeitern treibt Simpson nun die Neuauflage des C64 voran. Besonderer Wert liegt auf Authentizität. Die neue Hardware unterstützt nicht nur USB-Medien, sondern auch originale Disketten- und Kassettenlaufwerke sowie klassische Joysticks. Drei Varianten sind angekündigt, der Einstiegspreis liegt bei 299 US-Dollar.
Dass der Retro-Ansatz funktioniert, zeigt ein wachsender Markt. Magazine, Hardware-Nachbauten und eine aktive Szene halten die Faszination für alte Systeme lebendig. Der C64 ist damit nicht nur ein nostalgisches Sammlerstück, sondern erneut Teil einer Bewegung, die Computer-Geschichte bewahren will – mit echter Technik statt bloßer Emulation.























