
Die Diskussion um den Einsatz künstlicher Intelligenz in der Spieleentwicklung hat kurz vor dem Jahreswechsel einen neuen Höhepunkt erreicht. Im Mittelpunkt stand zuletzt das Rollenspiel „Clair Obscur: Expedition 33“, das nach mehreren Auszeichnungen bei den Indie Game Awards 2025 plötzlich disqualifiziert wurde. Der Vorwurf: Bei der Entwicklung sollen generative KI-Tools eingesetzt worden sein.
Lange blieb es still um das Studio Sandfall Interactive. Während sich Fans und Branchenbeobachter über die Entscheidung der Jury austauschten, fehlte eine offizielle Stellungnahme der Entwickler. Nun hat sich das Team erstmals öffentlich zu den Vorwürfen geäußert und seine Sicht der Dinge dargelegt.
Disqualifikation nach der Auszeichnung – was der Jury missfiel
„Clair Obscur: Expedition 33“ hatte bei den Indie Game Awards zunächst den Preis für das Spiel des Jahres erhalten. Die Freude währte jedoch nur kurz. Wenig später entzog die Jury dem Titel die Auszeichnung und sprach eine Disqualifikation aus. Als Begründung wurde der mutmaßliche Einsatz generativer KI bei der Erstellung von Spielinhalten genannt.
Die Entscheidung sorgte für erhebliche Irritationen, auch weil konkrete Details lange unklar blieben. Parallel tauchten Vorwürfe gegen den Ersatzpreisträger „Blue Prince“ auf, die sich jedoch als unbegründet herausstellten. In diesem Fall folgte eine öffentliche Entschuldigung an die Entwickler. Umso größer war das Unverständnis darüber, dass Sandfall Interactive zunächst schwieg.
In der Community wurde zunehmend gefragt, ob die Disqualifikation auf gesicherten Erkenntnissen beruhte oder vorschnell erfolgt war. Eine offizielle Einordnung seitens des Studios blieb zunächst aus.
„Alles im Spiel wurde von Menschen gemacht“ – Sandfall widerspricht
Erst jetzt hat sich Sandfall Interactive zu Wort gemeldet. In einer aktuellen Frage-und-Antwort-Runde äußerte sich Studiogründer Guillaume Broche erstmals ausführlich zu den Vorwürfen. Dabei stellte er klar, dass im finalen Spiel keine KI-generierten Inhalte verwendet worden seien.
„Ja, wir wissen, was da vor sich geht, aber ich kann sagen, dass alles im Spiel von Menschenhand geschaffen wurde“, erklärte Broche. Zwar habe das Team im Entwicklungsprozess mit KI-Tools experimentiert, diese Ansätze seien jedoch bewusst verworfen worden. „Wir haben es ausprobiert und es hat uns überhaupt nicht gefallen. Es hat sich einfach falsch angefühlt.“
Laut Broche stammen sämtliche im Spiel verwendeten Assets aus klassischer Entwicklungsarbeit. Die Experimente mit KI hätten keinen Eingang in das fertige Produkt gefunden. Mit dieser Klarstellung versucht das Studio nun, Vertrauen zurückzugewinnen und die Vorwürfe zu entkräften.
Ob diese Stellungnahme ausreicht, um die Entscheidung der Indie Game Awards zu revidieren, ist offen. Klar ist jedoch: Der Fall „Clair Obscur: Expedition 33“ hat die Debatte über KI-Regeln, Transparenz und Bewertungskriterien in der Spielebranche neu entfacht.
























