
Die Entlassungen von 34 Beschäftigten bei Rockstar Games beschäftigen längst nicht mehr nur die Spielebranche. Was zunächst wie ein interner Personalvorgang wirkte, entwickelte sich innerhalb weniger Wochen zu einem politischen Thema, das Fragen nach Arbeitnehmerrechten, gewerkschaftlicher Organisation und Transparenz in der britischen Tech- und Kreativindustrie aufwirft. Die Aufmerksamkeit stieg weiter, als Berichte über mögliche Gewerkschaftszerschlagung auftauchten – und schließlich die Regierung reagierte.
Der Fall erhielt besondere Schärfe, als mehrere Betroffene den Vorwurf erhoben, sie seien wegen ihrer Verbindung zur Independent Workers’ Union of Great Britain (IWGB) fristlos entlassen worden. Rockstar wies das zurück und sprach von „groben Fehlverhalten“, das sich aus Discord-Kommunikation ergeben habe. Doch diese Erklärung überzeugte nicht jeden – insbesondere nicht jene, die politische Verantwortung tragen.
„Äußerst beunruhigend“ – Westminster schaltet sich ein
„Warum wurden 31 Menschen ohne Beweise entlassen?“ – Der Druck wächst
Der Fall landete im britischen Parlament, nachdem Abgeordneter Chris Murray die Vorgänge öffentlich zur Sprache brachte. In einer an Premierminister Keir Starmer gerichteten Anfrage erklärte Murray laut IGN, Rockstar habe „31 Mitarbeiter ohne Beweise oder Gewerkschaftsrepräsentation gefeuert“. Er verwies außerdem darauf, dass die IWGB dem Studio gezielt Gewerkschaftszerschlagung vorwerfe.
Murray betonte, er habe das Unternehmen persönlich aufgesucht – ohne überzeugt worden zu sein, dass die Entlassungen im Rahmen des britischen Arbeitsrechts korrekt abliefen. Sein Fazit: Die Vorgänge seien „höchst besorgniserregend“, insbesondere für eine Regierung, die harte Verbesserungen im Arbeitsrecht angekündigt hat.
Premierminister Starmer reagiert – und kündigt Prüfung an
Premierminister Keir Starmer zeigte sich im Plenum ungewöhnlich deutlich. Auf die Vorwürfe angesprochen, bezeichnete er den Vorgang als „äußerst beunruhigend“ und kündigte an, die Angelegenheit genauer prüfen zu lassen. Dieser politische Vorstoß ist bemerkenswert: Fälle aus der Videospielindustrie schaffen es nur selten in die Debatten des Unterhauses.
Ein merkwürdiger Empfang – Rockstar verlangte NDA von Abgeordneten
Zusätzliche Brisanz erhielt der Fall durch neue Informationen, die Murray gegenüber IGN bestätigte. Beim geplanten Besuch der Abgeordneten verlangte Rockstar zunächst die Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung (NDA), bevor sie das Gebäude betreten durften – ein ungewöhnlicher Vorgang, wenn politische Vertreter sich über arbeitsrechtliche Beschwerden informieren wollen. Erst nachdem die Abgeordneten dies ausdrücklich verweigerten, wurde der Einlass gewährt.
Murray schilderte anschließend, er habe während des Gesprächs keine ausreichenden Antworten erhalten: Weder sei klar erklärt worden, was die Betroffenen getan hätten, noch warum eine sofortige fristlose Kündigung notwendig war.
Was die Entlassungen für Rockstar – und GTA 6 – bedeuten könnten
Zwischen Arbeitnehmerrechten und öffentlichem Druck
Die Entlassungen werfen Fragen auf, die weit über den Einzelfall hinausreichen. Während in der britischen Gaming-Branche in den letzten Jahren erste Schritte zur gewerkschaftlichen Organisation erfolgten – etwa bei Firmen wie ZeniMax im Jahr 2022 – bleibt die Lage häufig angespannt. Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass Studios weiterhin zögern, offene Gewerkschaftsstrukturen zu akzeptieren.
Die öffentliche Aufmerksamkeit, verstärkt durch Starmers Reaktion, könnte nun zum Präzedenzfall werden. Juristische Prüfungen oder behördliche Nachforschungen wären denkbar, sollten sich Hinweise auf fehlerhafte Verfahren bestätigen.
Auswirkungen auf GTA 6 und die Unternehmensstrategie
Auch wenn Rockstar betont, dass die Kündigungen „keinen Einfluss auf laufende Projekte“ hätten, beobachten Branchenanalysten die Lage genau. Bereits 2024 und 2025 wurde berichtet, dass interne Spannungen, hohe Arbeitsbelastung und Umstrukturierungen den Entwicklungsprozess von GTA 6 begleiten.
Während Insider laut früheren Berichten auf IGN und Bloomberg betonen, dass der Release-Zeitplan nicht gefährdet sei, zeigt der aktuelle Konflikt, wie empfindlich die Balance zwischen Produktion, PR und Arbeitskultur geworden ist. Für ein Spiel, das als „Event des Jahrzehnts“ gehandelt wird, ist öffentliche Unruhe durchaus riskant – zumindest, was das Image betrifft.
























