
Rollenspiele bieten heute unterschiedlichste Welten, Spielsysteme und Geschichten. Trotzdem greifen viele große Produktionen auf bekannte Erzählmuster zurück: Ein zunächst unbedeutender Held entdeckt seine besondere Bestimmung, übernimmt eine gewaltige Aufgabe und wächst zum entscheidenden Machtfaktor heran. Für Martin Klíma, Mitgründer von Warhorse Studios und Executive Producer von Kingdom Come: Deliverance 2, verliert dieses Konzept zunehmend seinen Reiz.
Im Gespräch mit PC Gamer erklärt Klíma, dass er selbst weiterhin viele RPGs spielt und das Genre zu seinen Favoriten zählt. Seine Kritik richtet sich deshalb nicht gegen Rollenspiele an sich, sondern gegen die häufige Wiederholung bestimmter Bausteine. Besonders die klassische Power-Fantasie mit dem übermächtigen Hauptcharakter gehe ihm inzwischen auf die Nerven.
Warum der „Auserwählte“ für Klíma nicht mehr ausreicht
Klíma beschreibt gegenüber PC Gamer seine Haltung ungewöhnlich deutlich. Er sagt auf Englisch: „Ich bin es leid und war es schon immer, all diese Rollenspiele zu spielen, in denen man der Auserwählte ist.“ – sinngemäß: Er sei es leid, in Rollenspielen ständig den Auserwählten zu spielen. Eine solche Machtfantasie sei für ihn grundsätzlich nicht falsch, das Problem liege vielmehr in der ständigen Wiederholung.
Als Gegenentwurf verweist seine Arbeit mit Kingdom Come: Deliverance auf eine andere Herangehensweise. Heinrich startet dort nicht als legendärer Kämpfer mit einer Prophezeiung im Rücken, sondern als junger Mann ohne besondere Stellung. Fähigkeiten, Einfluss und gesellschaftlicher Aufstieg entstehen erst im Verlauf der Geschichte. Genau diese Perspektive unterscheidet die Reihe von vielen klassischen Fantasy-RPGs.
Klíma sieht zudem eine Lücke zwischen dem Alter vieler Spieler und den Figuren, für die große Rollenspiele geschrieben werden. Im Interview bezeichnet er zahlreiche aktuelle Produktionen als „Spiele für Teenager“. Seine Aussage ist dabei nicht als Forderung nach weniger fantastischen Spielen zu verstehen. Er argumentiert vielmehr, dass ein inzwischen älteres Publikum auch stärker mit anderen Arten von Geschichten angesprochen werden könnte.
Ausgerechnet Ubisoft zeigt für ihn das größere Problem
Seine Kritik beschränkt sich allerdings nicht auf Fantasy-RPGs. Klíma spricht auch über etablierte Spielemarken und nennt dabei Ubisoft ausdrücklich. Er erinnert sich positiv an die ersten Teile von Assassin’s Creed, Far Cry und Watch Dogs. Mit späteren Wiederholungen derselben Grundidee habe der Reiz für ihn jedoch nachgelassen.
Sein Vorwurf lautet nicht, Ubisoft könne keine guten Spiele entwickeln. Im Gegenteil: Die handwerkliche Qualität des Publishers lobt Klíma ausdrücklich. Animationen, Modelle und der technische Feinschliff seien auf hohem Niveau. Seine Anmerkung betrifft vielmehr die kreative Richtung: Dieses Können könnte seiner Ansicht nach häufiger in Projekte fließen, die stärker mit bekannten Formeln brechen.
Dabei erkennt Klíma selbst das wirtschaftliche Problem. Große Produktionen verschlingen erhebliche Summen, weshalb etablierte Marken und bewährte Spielprinzipien für Publisher weniger riskant sind als radikale Experimente. Eine einfache Lösung bietet er dafür nicht an. Seine Kritik bleibt deshalb vor allem eine Beschreibung des Spannungsfelds zwischen wirtschaftlicher Sicherheit und kreativer Abwechslung.
Dass das Publikum für solche anderen Ansätze vorhanden ist, lässt sich zumindest am Erfolg von Warhorse ablesen. Kingdom Come: Deliverance II überschreitet im Juni 2026 die Marke von sechs Millionen verkauften Exemplaren weltweit. Das Spiel setzt ebenfalls auf eine historische Welt und eine deutlich bodenständigere Hauptfigur als viele klassische Fantasy-RPGs.
FAQ zu Martin Klímas RPG-Kritik
Wer ist Martin Klíma?
Klíma ist Mitgründer von Warhorse Studios und Executive Producer von Kingdom Come: Deliverance 2.
Was kritisiert er an modernen RPGs?
Vor allem die Wiederholung ähnlicher Erzählmuster und die häufige Rolle des Spielers als übermächtiger „Auserwählter“.
Sind Power-Fantasy-Spiele laut Klíma grundsätzlich schlecht?
Nein. Er sagt ausdrücklich, dass an einer guten Power Fantasy grundsätzlich nichts falsch sei. Ihn stört vor allem die Häufigkeit der Formel.
Warum spricht Klíma von „Spielen für Teenager“?
Seiner Ansicht nach richten sich viele RPG-Geschichten noch immer an jüngere Spieler, obwohl das Publikum insgesamt älter geworden ist.
Welche Ubisoft-Spiele nennt er?
Er verweist unter anderem auf Assassin’s Creed, Far Cry und Watch Dogs und kritisiert die wiederholte Nutzung ähnlicher Formeln.
Lobt Klíma Ubisoft auch?
Ja. Er hebt besonders die technische und handwerkliche Qualität der Spiele hervor.
Wie erfolgreich ist Kingdom Come: Deliverance II?
Das RPG verkauft laut Publisher Deep Silver mehr als sechs Millionen Exemplare weltweit.






















