
Mit dem Cloud Alpha Air wagt HyperX einen ungewöhnlichen Schritt. Anstatt ein weiteres kabelloses Headset mit ANC auf den Markt zu bringen, geht der Hersteller in eine andere Richtung: das erste Open-Back-Gaming-Headset in der Unternehmensgeschichte. Das Konzept klingt interessant, bringt aber Einschränkungen mit, über die man vorab Bescheid wissen sollte. Was das Headset wirklich taugt und für wen es gedacht ist, haben wir im ausführlichen Test herausgefunden.




HyperX und die Cloud-Serie
HyperX ist als Gaming-Marke von HP Inc. seit Jahren im Headset-Markt etabliert und hat mit der Cloud-Serie eine der bekanntesten Gaming-Headset-Linien überhaupt aufgebaut. Die Cloud-Modelle stehen für Tragekomfort, verlässliche Klangqualität und einen klaren Gaming-Fokus. Das Cloud Alpha Air führt diese Linie fort, bricht jedoch mit dem bislang üblichen geschlossenen Bauprinzip, den HyperX bisher in seinem gesamten Portfolio verfolgt hat.
Unboxing und Lieferumfang
Beim Öffnen der Verpackung präsentiert sich das HyperX Cloud Alpha Air übersichtlich und sicher verstaut. Neben dem Headset gehören das abnehmbare 10-mm-Mikrofon, ein USB-C-Audioadapter sowie ein USB-A-Adapter zum Lieferumfang. Das fest verbaute Kabel endet in einem 3,5-mm-Klinkenstecker, wodurch sich das Headset direkt mit zahlreichen PCs, Konsolen und mobilen Geräten verbinden lässt. Bereits beim ersten Herausnehmen fallen das vergleichsweise geringe Gewicht und die weichen Ultrasuede-Ohrpolster auf. Insgesamt hinterlässt das Cloud Alpha Air schon beim Unboxing einen hochwertigen und angenehm unkomplizierten ersten Eindruck.




Design, Verarbeitung und Tragekomfort
Optisch fügt sich das Cloud Alpha Air stimmig in die Cloud-Familie ein. Das Design ist zurückhaltend und funktional, ohne übertriebene Gaming-Ästhetik. Der Stahlrahmen mit Metallschiebern wirkt solide und auf Langlebigkeit ausgelegt, und nach zwei Wochen im Büro- und Gaming-Einsatz hat sich dieser Eindruck bestätigt.
Die Ohrpolster sind mit Memory-Schaum gefüllt und mit Ultrasuede bezogen, einem Material, das spürbar angenehmer auf der Haut liegt als das bei Gaming-Headsets übliche Kunstleder. Auch nach mehrstündigen Sessions hat das Headset nicht gedrückt oder Wärme gestaut. Mit rund 275 Gramm ohne das abnehmbare Boom-Mikrofon liegt das Cloud Alpha Air im leichten bis mittleren Bereich für Over-Ear-Headsets, was sich positiv auf den Gesamtkomfort auswirkt.



Open-Back-Prinzip: Was steckt dahinter?
Wer mit Open-Back-Headsets noch keine Erfahrung hat, sollte das Konzept kurz verstehen, bevor er eine Kaufentscheidung trifft. Bei offenen Kopfhörern sind die Ohrmuscheln perforiert oder belüftet, statt vollständig geschlossen zu sein. Das erzeugt eine breitere, natürlichere Klangbühne, bei der Töne nicht eingesperrt klingen, sondern räumlicher wirken. Für Gaming bedeutet das eine verbesserte Positionswahrnehmung: Schritte, Distanzgeräusche und Richtungshinweise im Spiel lassen sich präziser orten.

Der klassische Nachteil offener Designs ist ein schwächerer Bass, weil tiefe Frequenzen durch die belüfteten Ohrmuscheln nach außen entweichen. Außerdem schirmt ein Open-Back-Headset nicht gegen Umgebungsgeräusche ab und gibt den Spielsound in den Raum ab. Das Cloud Alpha Air ist daher klar für ruhige Umgebungen konzipiert, also das eigene Zimmer, Homeoffice oder Studio, und kein Headset für Pendler oder belebte Räume.
Bass-Tube-Technologie: Das Kernfeature im Praxischeck
Das technische Herzstück des Cloud Alpha Air ist die Bass-Tube-Technologie. Eine spezielle Röhrenkonstruktion, die durch das Zentrum jedes 40-mm-Dynamiktreibers verläuft, stimmt die tiefen Frequenzen gezielt ab und erhält trotz der offenen Gehäuseform einen satten Tieftonbereich.
Im Test hat uns das Ergebnis überzeugt. Der Bass klingt tief und kontrolliert, ohne Mitten und Höhen zu überlagern. In Spielen mit viel Waffeneinsatz hat der Impact bei Schussgeräuschen und Explosionen spürbar mehr Gewicht als bei vergleichbaren Open-Back-Headsets ohne diese Technologie. Physikalisch bleibt ein offenes Design im Nachteil gegenüber geschlossenen Modellen, aber HyperX hat den Kompromiss hier deutlich minimiert.
Klangerlebnis und Gaming-Performance
HyperX bewirbt das Cloud Alpha Air mit dem sogenannten HyperX Signature Sound, einer hauseigenen Klangabstimmung, die auf authentische Audiowiedergabe über verschiedene Genres und Spielszenarien ausgelegt ist. Im Test hat sich diese Abstimmung als durchdacht erwiesen.

Die breitere Klangbühne des Open-Back-Designs ist der klare Vorteil für kompetitive Spieler. In taktischen Shootern konnten wir in Battlefield 6 Schritte und Richtungsaudio deutlich präziser verorten als mit einem herkömmlichen geschlossenen Headset. Das macht in engen Situationen einen echten Unterschied. Für immersive Einzelspieler-Erfahrungen in Open-World-Spielen oder Story-getriebenen Titeln sorgt die natürlichere Klangbühne für ein stärker intensiveres und immersiveres Hörerlebnis, Spielwelten klingen einfach größer und lebendiger.
Content Creator und Streamer profitieren zusätzlich davon, dass man die eigene Stimme durch das offene Design natürlicher wahrnimmt, was das Kontrollieren der Sprechlautstärke on-stream spürbar vereinfacht.
Mikrofon und Kommunikation
Das abnehmbare Boom-Mikrofon mit einem 10-mm-Mikrofonelement liefert im Test eine saubere, klare Sprachübertragung. Für Teamkommunikation in kompetitiven Titeln oder für Streaming reicht die Qualität vollständig aus. Wer kein Mikrofon benötigt, nimmt es einfach ab, das Headset funktioniert problemlos ohne.


Software und Zusatzfunktionen
Über die HyperX NGENUITY Software lässt sich das Cloud Alpha Air auf kompatiblen Windows-Systemen individuell anpassen. Equalizer-Einstellungen und verschiedene Klangmodi sind dort verfügbar und machen einen spürbaren Unterschied, je nachdem ob man auf präzises Positional-Audio oder einen etwas wärmeren Klang für Musik und Film setzt. Wer die Software nicht nutzen möchte oder auf Konsole spielt, kommt auch ohne App problemlos zurecht. Lautstärkeregelung und Stummschalten funktionieren direkt am Headset.


Konnektivität und Kompatibilität
Das Cloud Alpha Air ist ausschließlich kabelgebunden. Ein Wireless-Modus fehlt bewusst, was im Gegenzug Akkumanagement überflüssig macht und eine breite Kompatibilität sicherstellt. Das fest verbaute Kabel endet in einem 3,5-mm-Klinkenstecker. Zusätzlich liegen ein USB-C-Dongle und ein USB-A-Adapter bei. Das Headset funktioniert mit PC (Windows 10/11), macOS, PlayStation 5, PlayStation 4, Nintendo Switch 2, Nintendo Switch sowie Xbox Series X und S, wobei Xbox nur über 3,5 mm unterstützt wird.



Die Impedanz beträgt 34 Ohm, ein separater Verstärker oder DAC ist nicht erforderlich. Bei direktem 3,5-mm-Anschluss am PC empfiehlt es sich, die Lautstärke etwas höher einzustellen als gewohnt. Das Kabel selbst ist fest verbaut und nicht abnehmbar, ein kleiner Kompromiss gegenüber Modellen mit abnehmbarem Kabel, der im Alltag aber kaum auffällt.
Praxistest mit Battlefield 6 und Forza Horizon 6
Für unseren Praxistest haben wir das HyperX Cloud Alpha Air mit einem Razer Blade 15 Advanced verbunden und sowohl Battlefield 6 als auch Forza Horizon 6 gespielt. In Battlefield 6 überzeugte das Headset vor allem durch seine breite Klangbühne. Schritte, Schüsse und herannahende Fahrzeuge ließen sich räumlich gut zuordnen, während Explosionen dank der Bass-Tube-Technologie kraftvoll wirkten, ohne wichtige Details zu überdecken. Auch in Forza Horizon 6 hinterließ das Headset einen positiven Eindruck: Motorengeräusche klangen druckvoll und differenziert, während Wind, Reifen und Umgebungsgeräusche eine offene, lebendige Klangkulisse erzeugten. Bei längeren Spielsitzungen machte sich zudem der angenehme Tragekomfort positiv bemerkbar.
Preis und Marktpositionierung
Der Preis liegt bei 149,99 Euro, verfügbar ab September 2026 direkt über HyperX. Für ein Open-Back-Gaming-Headset mit Bass-Tube-Technologie und Gaming-Software ist das eine faire Positionierung. Audiophile Open-Back-Headsets mit vergleichbarer Bauweise kosten oft deutlich mehr, bieten dafür aber keinen Gaming-Fokus und keine passende Software. Wer kein Wireless benötigt und auf ANC verzichten kann, bekommt hier ein überzeugendes Gesamtpaket.
FAQ: HyperX Cloud Alpha Air
Für wen ist ein Open-Back-Headset geeignet?
Gamer im eigenen Zimmer, Streamer und Content Creator. Bei lauter Umgebung oder unterwegs ist es ungeeignet, da Umgebungsgeräusche eindringen und Spielsound nach außen dringt.
Hat das Headset Wireless oder ANC?
Nein, beides fehlt bewusst. Das Cloud Alpha Air ist ein kabelgebundenes Headset ohne aktive Geräuschunterdrückung.
Funktioniert die Bass-Tube-Technologie wirklich?
Ja. Im Test lieferte der Bass für ein Open-Back-Headset überraschend viel Tiefton und Impact, ohne das Klangbild zu verzerren.
Auf welchen Plattformen funktioniert es?
PC, macOS, PS4, PS5, Nintendo Switch, Nintendo Switch 2 und Xbox Series X und Series S, wobei Xbox nur über 3,5 mm unterstützt wird.
Brauche ich einen externen Verstärker?
Nein. Die 34-Ohm-Impedanz ist ohne weiteres Equipment aus Standard-Gaming-Setups zu betreiben.
Fazit: Offener Klang und kräftiger Bass für ruhige Gaming-Umgebungen
Gesamtbewertung: 96 %
Das HyperX Cloud Alpha Air ist ein mutiger und konsequenter Schritt in eine Nische, die der Hersteller bisher nicht bedient hat. Open-Back-Audio, Bass-Tube-Technologie und Gaming-Fokus in einem Gerät unter 150 Euro ist ein Angebot, das es in dieser Form bisher kaum gibt. Im Test hat das Headset überzeugt: die Klangbühne ist spürbar weiter und natürlicher als bei geschlossenen Modellen, der Bass hält trotz offenem Design gut stand, und der Tragekomfort ist auch bei langen Sessions vorbildlich.
Die Einschränkungen muss man kennen: kein Wireless, kein ANC, kein abnehmbares Kabel. Wer diese Features nicht braucht und in einer ruhigen Umgebung spielt, bekommt hier eines der interessantesten Gaming-Headsets des Jahres.
Das HyperX Cloud Alpha Air setzt mit seinem Open-Back-Ansatz und der Bass-Tube-Technologie einen frischen Kontrapunkt im Gaming-Headset-Markt. Für seine außergewöhnliche Klangbühne, den hohen Tragekomfort und das überzeugende Gesamtpaket erhält das HyperX Cloud Alpha Air unseren Award für das innovativste Gaming-Headset des Jahres.
