Seit Jahren steht die größte PC-Spieleplattform der Welt wegen ihrer Gebührenstruktur in der Kritik. Nun erreicht die Debatte um Provisionen, Marktmacht und Preisbindung eine neue Eskalationsstufe. Im Vereinigten Königreich ist eine umfangreiche Sammelklage gegen Valve zugelassen worden, die dem Betreiber von Steam vorwirft, seine dominante Stellung zum finanziellen Nachteil von Kunden auszunutzen.

Der Streit bleibt nicht auf juristische Fachkreise beschränkt. Auch prominente Stimmen aus der Branche mischen sich ein – allen voran Tim Sweeney, der CEO von Epic Games, der Valve öffentlich scharf angreift.

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900 Millionen Euro im Raum: Worum es in der Klage geht

Im Kern der Klage steht der Vorwurf, Valve nutze Steams marktbeherrschende Stellung, um Preiswettbewerb systematisch einzuschränken. Eingereicht wurde sie von der britischen Aktivistin Vicki Shotbolt beim Competition Appeal Tribunal. Vertreten werden Millionen Verbraucher, die seit Jahren Spiele über Steam gekauft haben.

Laut Klageschrift zwinge die Plattform Publisher faktisch dazu, Spiele auf Steam nicht günstiger anzubieten als auf anderen Verkaufswegen. Dadurch seien alternative Stores oder Direktverkäufe für Entwickler wirtschaftlich unattraktiv. Der behauptete Schaden summiere sich nach Einschätzung der Klägerseite auf rund 900 Millionen Euro seit 2018.

Dass das Gericht die Sammelklage zulässt, ist noch kein Schuldspruch. Es bedeutet jedoch, dass die Argumente als hinreichend relevant angesehen werden, um sie in einem Hauptverfahren detailliert zu prüfen.

„Wie ein Autohändler mit Benzinaufschlag“ – Sweeneys Angriff auf Valve

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt Tim Sweeney, der die Klage öffentlich unterstützt. Auf Social Media kritisiert er Steams Regeln zur Zahlungsabwicklung scharf. Entwickler dürften ihre Nutzer nicht aktiv zu günstigeren Kaufoptionen außerhalb von Steam lenken, während Valve weiterhin eine Provision von 30 Prozent erhebe.

Sweeney zieht dabei einen drastischen Vergleich: Das Modell erinnere ihn an einen Autohändler, der sich dauerhaft einen Anteil am späteren Benzinkauf sichere. Zugleich verweist er auf Gerichtsentscheidungen gegen Apple und Google, die ähnliche Bindungen inzwischen gelockert haben.

Kritiker halten dagegen, dass Steams Richtlinien differenzierter seien, als Sweeney darstellt. Valve erlaubt zeitlich versetzte Rabatte für Steam-Keys in anderen Shops, verlangt jedoch, dass Steam-Kunden nicht dauerhaft schlechter gestellt werden. Auch die von Sweeney herangezogenen Urteile lassen Interpretationsspielraum. Unstrittig ist jedoch: Der Fall bringt eine seit Jahren schwelende Grundsatzfrage erneut auf die Tagesordnung.

FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Steam-Klage

Worum geht es in der Sammelklage gegen Valve?
Um den Vorwurf, Steam nutze seine Marktmacht aus und verhindere echten Preiswettbewerb.

Wie hoch ist der geforderte Schadenersatz?
Die Klägerseite spricht von rund 900 Millionen Euro seit 2018.

Ist Valve bereits schuldig gesprochen?
Nein. Die Klage ist zugelassen, das Verfahren steht noch aus.

Warum mischt sich Tim Sweeney ein?
Der Epic-CEO kritisiert Steams Provisionsmodell seit Jahren und unterstützt die Klage öffentlich.

Wie hoch ist Steams Provision?
In der Regel 30 Prozent pro Verkauf, mit Ausnahmen bei sehr hohen Umsätzen.

Dürfen Spiele außerhalb von Steam günstiger verkauft werden?
Grundsätzlich ja, allerdings erwartet Valve vergleichbare Angebote für Steam-Kunden.

Welche Bedeutung hat der Fall für die Branche?
Er könnte langfristig Einfluss auf Plattformgebühren und Vertriebsmodelle haben.

Wann ist mit einem Urteil zu rechnen?
Ein konkreter Zeitplan liegt derzeit nicht vor.

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