
Ein Blick hinter die Kulissen eines YouTube-Imperiums
Viele sehen auf YouTube nur die großen Zahlen: Millionen Abos, gigantische Klicks, virale Videos. Doch wie viel Geld steckt wirklich dahinter? Eine Frage, die gerade Linus Tech Tips – einer der größten Tech-Kanäle weltweit – überraschend offen beantwortet hat. Seit 2008 versorgt der Kanadier sein Publikum mit Hardwaretests, PC-Builds und Gadget-Analysen. Über 16 Millionen Menschen folgen ihm inzwischen. Dass hinter diesem Erfolg aber auch enorme Kosten stehen, wird erst durch sein neues Interview deutlich.
In einem Gespräch mit YouTube-Creator und Analyst Jon Youshaei öffnete Linus seine kompletten Statistiken. Der Kanal kommt seit Beginn auf 9 Milliarden Videoaufrufe, und allein über YouTube-Werbung erzielte er 26,3 Millionen US-Dollar – eine Summe, die für viele wie ein Lottogewinn klingt. Doch Linus überrascht mit einem Satz, der hängen bleibt:
„Ich habe in der Zeit mehr an Gehältern ausgezahlt, als durch AdSense reinkam.“
Diese Diskrepanz zeigt ein Problem, über das in der Creator-Szene oft nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird: Die Abhängigkeit von Werbeeinnahmen – und der Druck, stetig hohe Aufrufzahlen zu liefern.
Warum Werbegeld nur ein Bruchteil ist – und was wirklich zählt
„AdSense ist unzuverlässig“ – die harte Realität der größten Einnahmequelle
Obwohl Linus’ YouTube-Werbung stolze Millionen einbrachte, machen die AdSense-Einnahmen im Gesamtbild nur 11,6 % aus. In schwächeren Monaten, so erklärt er im Interview, könne man sich „auf diese Art von Einkommen kaum verlassen“. Der wichtigste Umsatzmotor liegt deshalb ganz woanders: in eigenen Produkten wie Merch, Tools und Hardwarekomponenten. Diese Sparte erzeugt über 55 % des Gesamtumsatzes – ein Wert, der zeigt, wie stark Creator inzwischen zu richtigen Unternehmen geworden sind.
Einen weiteren Puffer bieten gesponserte Projekte (12,5 %) und klassische Sponsoren (9,2 %). Besonders spannend: Die von Linus mitgegründete Plattform FloatPlane, ein unabhängiges Abo-Service für exklusive Inhalte. Mit 7,2 % trägt sie deutlich weniger zum Gesamtumsatz bei – bietet aber laut Linus „die verlässlichste und stabilste Einnahmequelle überhaupt“.
Das erfolgreichste Video – und die überraschend niedrige Ausbeute
Ein Beispiel verdeutlicht das Ungleichgewicht besonders: Sein Video „I love Building Computers“ erreichte 15 Millionen Views und generierte damit 139.000 Dollar aus Werbung. Viel? Ja. Aber im Verhältnis zum Aufwand – Team, Produktion, Studiokosten – nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und schon gar nicht genug, um die Gehälter seiner über 100 Angestellten dauerhaft zu decken.
Linus’ Offenheit sorgt nun für Diskussionen in der Community. Viele fragen sich: Wenn selbst ein Kanal dieser Größe kaum auf AdSense bauen kann – wie sollen es kleinere Creator schaffen?
Vielleicht ist genau diese neue Ehrlichkeit der wichtigste Impuls: ein klarer Blick auf eine Branche, die nach außen glitzert, aber hinter den Kulissen längst als hart umkämpfter Medienmarkt funktioniert.
























